Irak fährt weiter einen harten Kurs

Viele Beobachter gingen von einer Entspannung der Lage aus, nachdem Kurdistan ein Friedensangebot unterbreitete, doch der Irak lehnt dieses zunächst ab.

27.10.2017 | Robby Erkmann

Damit sind die möglichen Abwärtspotentiale erstmal zunichtegemacht, die mit einer Beruhigung der politischen Lage einhergegangen wäre. Denn durch den Konflikt, wird aktuell immer noch etwa 330.000 B/T weniger Rohöl aus dem Irak exportiert. Kurdistan bot der irakischen Zentralregierung an, die Unabhängigkeitsanstrengungen bis auf weiteres zu unterbrechen, damit beide Parteien eine friedvolle und konstruktive Verhandlung führen können. Der irakische Premierminister lehnte dieses Angebot umgehend ab, unter folgender Begründung. Die irakische Regierung akzeptiere ausschließlich die Annullierung des Unabhängigkeitsreferendums und die Einhaltung der aktuellen Verfassung. Dabei betonte er, dass Bagdad die Kurden eingehend gewarnt hatte, ein Referendum abzuhalten. Inwieweit der Konflikt dadurch angeheizt wird bleibt bis jetzt unklar. Es wäre denkbar, dass die semi-autonome Regierung von Kurdistan, einen weiteren Schritt auf die Zentralregierung zugeht. Für den gestrigen Donnerstag meldeten kurdische Truppen eine Bombardierung der Stadt Zummar durch die irakische Armee.

2-Jahreshoch für Brent

Durch den weiter andauernden Konflikt zwischen Kurdistan und Bagdad, sowie die Spannungen zwischen den USA und Iran sind die Ölpreise weiter im Aufwind. Die Nordseesorte Brent sprang im gestrigen Verlauf überraschend auf ein 2 -Jahreshoch, sodass die Notierungen an den Börsen im Bereich der Tageshochs aus dem Handel gingen. Neue Sanktionen gegen den Iran könnte die Ölproduktion um 1 bis 1,5 Mio. B/T reduzieren. Im Vergleich dazu, nehmen die am OPEC-Abkommen beteiligten Staaten insgesamt 1,8 Mio. B/T vom Markt.

Der saudische Kronprinz befürwortete auf einem Treffen in Riad, die Verlängerung der aktuellen Förderkürzungen. Er unterstrich, dass die Ergebnisse des Deals für alle Länder bereits spürbar seien, sodass von einer Verlängerung alle Beteiligten profitieren würden. Der Kronprinz betonte darüber hinaus, dass Saudi-Arabien jegliche Maßnahmen unterstützt, die ein Gleichgewicht am Ölmarkt wiederherstellen könnten. Eine Verlängerung des Abkommens scheint seit längerem nur noch Formsache zu sein, sodass der Markt diesen Umstand bereits eingepreist hat, so einige Marktteilnehmer. Unterdessen nutzt der Irak die historisch niedrigen Rohölexporte von Saudi-Arabien in den USA und ist nun größter Exporteuer für Rohöl in den USA. Saudi-Arabien hatte zuletzt oft berichtet, die Ausfuhren in den USA drastisch zu reduzieren. Diese Chance nutzte nun der Irak und exportierte im September etwa 18,8 Mio. Barrel in die Vereinigten Staaten. Das waren ungefähr 2,9 Mio. Barrel mehr als Saudi-Arabien. Laut Schätzungen wird sich diese Entwicklung im Oktober weiter verstärken.

Im Durschnitt liegt der deutschlandweite Heizölpreis heute bei 57,86 Euro pro 100 Liter. Nach den gestrigen Kurssprüngen sind die Rohölnotierungen heute Morgen etwa ein halbes Prozent niedriger. Brent wird derzeit für 59,23 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Die amerikanische Sorte WTI liegt aktuell bei 52,56 US-Dollar pro Barrel.

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