OPEC-Verlängerung mit Hintertür

Die OPEC-Sitzung hat gestern eine Verlängerung von neun Monaten beschlossen. Neuerdings unterliegen Libyen und Nigeria nun auch dem Abkommen.

01.12.2017 | Robby Erkmann

Doch die Verlängerung von neun Monaten hört sich zunächst besser an, als es wirklich ist. Am gestrigen Abend verkündete die OPEC das Ergebnis, welches auch die Nicht-OPEC-Staaten unterzeichneten. Eine strikte Verlängerung der Kürzungen wurde nur um weitere drei Monate beschlossen. Nach diesen drei Monaten wird die aktuelle Situation am weltweiten Ölmarkt nochmals genau begutachtet. Sofern dann wohl die Entwicklung der Ölpreise zu sehr aus dem Ruder läuft, könne man noch reagieren und korrigieren. Diese Ausstiegstür wurde auf drängen von Russland eingebaut, die befürchten, dass bei zu hohen Preisen die US-Schieferölindustrie zu stark wächst und Marktanteile erobert. So ist ein Kompromiss entstanden, mit den beide Seiten erstmal leben können.

Die bisher vom Förderabkommen ausgenommenen Staaten Nigeria und Libyen werden ab April, ebenfalls dem neuen Abkommen beiwohnen. Die Verpflichtung beider Länder unter dem Abkommen lautet, dass die Ölproduktion in 2018 nicht die Höchstmenge aus 2017 übersteigen darf. Die EIA hatte ermittelt, dass diese Höchstmenge für Libyen bei 1,0 Mio. B/T und für Nigeria bei 1,7 Mio. B/T liege. Insofern haben beide Länder noch Potential für Wachstum. Libyens durchschnittliche Ölförderung lag bei 0,8 Mio. B/T und von Nigeria lag diese bei 1,4 Mio. B/T. Sehr überraschend ist diese Meldung nicht unbedingt, da beide Staaten in der Vergangenheit durchaus Gesprächsbereitschaft gezeigt hatten. Das nächste Treffen der OPEC findet am 21. Juni 2018 statt.

Wie lange hält die Euphorie

Der Markt ist vorerst beruhigt, weil eine Einigung mit Russland erzielt werden konnte und alle Staaten weiter an einem Strang ziehen. Doch die Ausstiegsmöglichkeit schwächt den bullsihen Einfluss, auf das aktuell ohnehin hohe Preisniveau deutlich. Analysten von J.P. Morgen schätzen, dass die Preise Anfang 2018 nachgeben könnten. Der alles bestimmende Faktor, inwiefern die Preise unter Druck geraten bleibt neben geopolitischen Ereignissen, eindeutig die US-Schieferölindustrie. Die Experten der Bank sehen auch bei der Produktivität noch viel Potential für die Unternehmen der Schieferölindustrie. Der Effizienzgewinn sorgt für eine hohe Rentabilität der Ölquellen, sodass diese die Kosten für die Förderung weiter senken können. Damit wird die US-Schieferölindustrie bei niedrigeren Ölpreisen nicht so hart getroffen, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Für die nächsten Wochen und Monate werden die Marktteilnehmer vermehrt auf die Bestanddaten schauen, weil die OPEC vorerst keine neuen Sitzungen halten wird. Der durchschnittliche Heizölpreis bleibt auch am Freitag recht stabil, ohne einen großen Ausschlag nach oben oder unten. Heute kosten 100 Liter Heizöl 60,96 Euro. Die Rohölpreise haben nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der OPEC-Sitzung erstmal einen rutsch nach unten gemacht. Im weiteren Verlauf konnte aber wieder etwas Boden gut gemacht werden, sodass der Preisunterschied zu gestern Morgen nicht sehr groß ist. WTI liegt aktuell deutlich im Plus mit 0,7 Prozent und kostet 57,82 US-Dollar pro Barrel. Die Sorte Brent ist etwa 0,7 Prozent im minus und kostet 63,14 US-Dollar pro Barrel.

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