US-Schieferölindustrie mit ungeahnten Potentialen

Eine sinkende Anzahl von US-Ölbohranlagen lässt vermuten, dass das Produktionswachstum abnimmt, aber Vergangenheitswerte können täuschen.

20.09.2017 | Robby Erkmann

Das liegt vor allem daran, dass die eingesetzten Ölbohranlagen viel effizienter und schneller arbeiten können, als noch vor einigen Jahren. Demnach können mit weniger Anlagen genauso viele oder mehr Quellen angebohrt werden. Das bestätigen auch andere Fakten zur aktuellen Lage der Schieferölproduzenten in den USA. Der Monatsbericht der EIA spricht vom Ausbau der aktuellen Förderpotentiale, durch die US-Firmen. Im August waren 7.048 Quellen angebohrt, aber noch nicht gänzlich angeschlossen. Im Juli lag die Anzahl der nicht fertig erschlossenen Quellen bei 6.817 Stück. Der Augustwert zeigt ein Wachstum von 3,4 Prozent, oder 231 weitere Anlagen im Vergleich zu Juli. Die Taktik dahinter könnte demnach das Warten auf höhere Ölpreise sein, um die Quellen dann fertigzustellen. Gleichzeitig wird der aktuelle hohe Ölpreis, durch Hedging für die Zukunft gesichert, um die erwartete Ölförderung in Zukunft, zu den gesicherten hohen Preisen, rentabel verkaufen zu können. Daher ist die Inbetriebnahme der Ölquellen unabhängig von der Preisentwicklung am Markt, selbst wenn dieser fällt. Die Aufwärtspotentiale sind daher weiter begrenzt, da mit steigenden Preisen die Schieferölproduktion in den USA stark zunimmt und die Preise wieder nach unten drückt. Laut EIA liegt die Produktionsmenge der Schieferölindustrie in diesem Monat bei knapp über 6,0 Mio. B/T und wird im nächsten Monat bei 6,1 Mio. B/T liegen.

Diese Einschätzung deckt sich mit der bearishen Markterwartung für 2018 von Barclays. Die Bank begründet dies im Wesentlichen mit der Erwartung einer um 1,0 Mio. B/T höheren weltweiten Ölproduktion im kommenden Jahr. Einerseits durch die wachsende US-Schieferölförderung, andererseits durch eine höhere Ölförderung in Brasilien und Kanada, die jeweils um 200.000 B/T zulegen soll. Außerdem werden die Ölfirmen auch bei konstant niedrigen Preisen, wirtschaftlich Rohöl fördern, wie sie es auch schon dieses Jahr umsetzten konnten. Die Analysten von Barclays erwarten zudem ein schwächeres Ölnachfragewachstum aus China, weshalb sich ein derart starkes Nachfragewachstum wie 2017 über 1,6 Mio. B/T, wohl nicht wiederholen wird. Barclays erwartet, dass die OPEC deshalb die Förderkürzungen über 2018 verlängern muss, um einem Angebotsüberschuss entgegenzuwirken.

Hurrikan Maria stärker als Irma

Die Karibik wird von Hurrikan Maria mit der Kategorie 5 wieder sehr stark getroffen. In den nächsten Tagen trifft Maria Haiti und die Dominikanische Republik, bevor der Hurrikan dann zunehmend Richtung Norden zieht. Daher wird Florida und die weiteren US-Küstengebiete verschont bleiben. Genauso wie durch den Hurrikan Jose, der vor der US-Ostküste bleiben wird, wird der Schiffsverkehr eingeschränkt und umgeleitet werden müssen. Daher ist mit Verzögerungen und Ausfällen bei der Abwicklung von Rohöl- und Benzintransporten zu rechnen. Die Auswirkungen der beiden Hurrikans auf die Ölindustrie sind daher sehr begrenzt. Der Golf von Mexiko und die dortige Rohölförderung bleibt verschont.

Die Rohölnotierungen am heutigen Morgen sind fast identisch mit den gestrigen Kursen. WTI liegt aktuell bei 49,93 US-Dollar pro Barrel. Brent kostet aktuell 55,47 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis beträgt heute 56,94 pro 100 Liter und bleibt in dieser Woche bisher sehr schwankungsarm.

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