Weitere Produktionsausfälle möglich

Venezuela befindet sich in einer langanhaltenden Schuldenkrise. Die Wirtschaft des Landes ist durch die niedrigen Rohölpreise stark gebeutelt.

06.11.2017 | Robby Erkmann

Hinzu kommt, dass die USA per Dekret Finanzsanktionen erlassen haben, die den Handel mit venezolanischen Staatsanleihen untersagen. Somit können Investoren keine Staatsanleihen aus Venezuela kaufen. Präsident Nicolas Maduro will eine Refinanzierung und Umstrukturierung der Auslandsverbindlichkeiten vornehmen, ohne dabei ein genaues Vorgehen nennen zu können. Sollte diese Maßnahmen einseitig erfolgen, käme dies einem Staatsbankrott gleich. Diese Ankündigung Maduros bereitet dem Finanzmarkt große Sorge. Julio Borges, der Präsident des de facto entmachteten Parlaments in Caracas betonte, dass niemand auf dieser Welt dieser Regierung traut, weshalb Gläubiger wohl sehr wenig Verhandlungsbereitschaft zeigen werden. Jorge Piedrahita vom Finanzdienstleister Gear Capital Partners kam gegenüber Reuters zu Wort. Er ist der Einschätzung, dass Investoren nur gesprächsbereit wären, wenn die sozialistische Planwirtschaft gegen eine funktionierende Marktwirtschaft abgelöst wird.

Die Schuldenlast von etwa 150 Milliarden Dollar ist für den venezolanischen Staat untragbar, doch diese Einsicht zeigte die Regierung um Nicolas Maduro lange nicht. Deswegen wurde in der Vergangenheit keine Gesprächsbereitschaft gezeigt, um eine Lösung zu finden. Nun könnte der Zug abgefahren sein. Laut CNN könnte im Extremfall das Öl Venezuelas, als Pfand für die Gläubiger herangezogen worden. Venezuela hat die größten Ölreserven der Welt und ist von dem Export praktisch abhängig, da Öl etwa 95 Prozent der Exporterlöse generiert. Mit etwa 2,0 Mio. Barrel Rohölförderung, ist Venezuela ein wichtiger Ölproduzent. Daher leidet die Bevölkerung aktuell unter starken Versorgungsengpässen mit Medikamenten und Nahrung. Sollte die Staatspleite eintreten, ist laut Energy Aspects ein kompletter Ausfall der Ölexporte möglich, der das weltweite Ölangebot weiter verringern könnte. Damit ist Venezuela, nach dem Irak und Iran das dritte Krisengebiet, welches die Ölpreise an den Futurebörsen signifikant stützt.

US-Bohraktivität weiter rückläufig

Baker Hughes meldete für die vergangene Woche einen Rückgang von acht aktiven Ölbohranlagen, auf insgesamt derzeitige 729 Stück. Börsianer deuten dies als ein bullishes Signal, weil mittel-langfristig mit einer geringeren US-Ölförderung bzw. einem langsameren Wachstum der Ölindustrie gerechnet wird. Etwas überraschend ist diese Entwicklung dennoch, da die vergleichsweisen hohen Rohölpreise und damit eine höhere Rentabilität von Ölquellen, normalerweise einen Anstieg der Bohraktivität zufolge hätten.

Dass bei der aktuellen Nachrichtenlage die Rohölpreisen an den Börsen ihr Niveau halten können, überrascht weniger. So notiert Brent im Moment bei 62,44 US-Dollar pro Barrel. Die amerikanische Sorte WTI wird für 55,86 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Beide Werte liegen heute Morgen oberhalb ihrer Tageseröffnungen. Der in Deutschland durchschnittliche Heizölpreis beträgt am heutigen Tage 58,78 Euro pro 100 Liter und ist etwas teurer als am Freitag.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation