Aufregendes Jahresende steht an

Ungewissheiten durch die Hurrikansaison und die bevorstehenden Iransanktionen lassen die Marktteilnehmer auf ein unberechenbares Jahresende blicken.

06.09.2018 | Robby Erkmann

Kurzfristig sind die Rohölpreise gestern unter ihre Unterstützungslinien gefallen. Grund war die Entnahme der Risikoprämie, die durch den Tropensturm Gordon eingepreist wurde. Dieser zog durch den Golf von Mexico, wo viele Ölförderplattformen sind und drehte dann in Richtung Festland, wo traditionell viele Raffinerien liegen. Dabei gewann der Tropensturm nicht an Stärke und wurde nicht zum Hurrikan hochgestuft. Allerdings wurde die Infrastruktur nicht beschädigt, sodass die Auswirkungen auf die Rohölverarbeitung in den Raffinerien gänzlich ausblieben. Lediglich die Rohölförderung ist leicht, um 9 Prozent gesunken, die wohl aber durch Mehrarbeit wieder aufgeholt werden kann. Jedoch ist die Hurrikansaison noch nicht vorbei, weshalb die Ölpreise kurzfristig durch neue Tropenstürme und potentiell größere Schäden, wieder stark steigen könnten.

Und so werden wohl höchstwahrscheinlich auch neue Strafzölle diese Woche durch die USA verhängt, die die Ölpreise aktuell belasten. Neue Strafzölle gegen China belasten das Wirtschaftswachstum und damit die Rohölnachfrage. Aufgrund der Gegenzölle Chinas, die auf die Strafzölle der USA folgten, haben die USA eine zweite Runde mit neuen Strafzöllen angedroht. Die öffentliche Anhörungsfrist zum Sachverhalt läuft heute aus. Insofern rechnen die Händler mit einer unverzüglichen Umsetzung durch US-Präsident Trump. Die neuen Zölle sollen ein Handelsvolumen von 200 Mrd. US-Dollar treffen.

Richtig spannend wird es dann Anfang November, wenn die Sanktionen auch gegen die iranische Ölindustrie greifen. Der Iran gibt seine Ölexporte aktuell mit 1,5 Mio. B/T an. Experten sind aktuell größtenteils einig, dass die Exporte auf unter 1,0 Mio. B/T sinken werden. Damit müssen von anderen Marktteilnehmer noch mindestens 0,5 Mio. B/T abgefangen werden. Denn die Versorgung mit Rohöl ist aktuell nur sehr knapp ausgeglichen.

Preisprognosen unverändert

Die monatliche Befragung der Investmentbanken zur Ölpreisentwicklung hat keine neuen Preiserwartungen ergeben. Die letzte Befragung fand im August statt, wo die angespannte Versorgungslage bereits berücksichtigt wurde. Laut Umfrage  beträgt der Durchschnittspreis in 2018 für Brent weiterhin 73,65 US-Dollar pro Barrel und für WTI 68,00 US-Dollar pro Barrel. Infolge der angespannten Gesamtsituation wurden in den letzten elf Befragungen der Investmentbanken stets die Durchschnittspreise angehoben.

Verbraucher werden damit von weiteren Preisanstiegen an den Ölbörsen vorerst verschont. Weiter ungewiss und damit tendenziell knapper, bleibt die Heizölversorgung in Deutschland, nachdem die Bayernoil Raffinerie nahe Ingolstadt komplett abgeschaltet ist. Über die Dauer ist bisher weiter wenig bekannt, der Betrieb bleibt Vermutungen zufolge mindestens mehrere Wochen eingestellt. WTI kostet aktuell 68,52 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent notiert bei 77,15 US-Dollar pro Barrel. Der bundesweite durchschnittliche Heizölpreis liegt heute etwas niedriger bei 77,93 Euro pro 100 Liter. Exorbitant hoch liegt der durchschnittliche Heizölpreis aktuell in Bayern.

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