Brent sinkt um über 7 Prozent

Die Rohölpreise der beiden großen Leitsorten sind gestern massiv abgerutscht. Der Markt kam nach dem Tweet von Trump nicht zur Ruhe. Wie geht es weiter?

14.11.2018 | Robby Erkmann

Die Ölpreise sind damit seit 12 Tagen täglich im Minus. Das ist historisch einmalig und kam bisher noch nie vor. Seit Anfang Oktober haben Brent und WTI etwa 25 Prozent ihres Wertes verloren. Zu den Höchstständen dieses Jahres haben viele Experten weitere Preissteigerungen befürchtet und sogar die 100 US-Dollar Marke für möglich gehalten. Davon ist man nun immens weit entfernt. Den Verbraucher freut es. Anleger rechnen nun mit weiteren Preisnachlässen, da sich die Ölpreise in einem Bärenmarkt befinden. Die Grundlage für den gestrigen Abrutsch ist zum einen der Tweet von US-Präsident Trump, der die OPEC aufforderte keine weiteren Kürzungen zu beschließen. Dabei twitterte er, dass die Ölpreise aufgrund der Angebotssituation viel niedriger sein müssten. Genauso kam es auch im Tagesverlauf.
Doch der neuste OPEC-Monatsbericht tat selbiges dazu. Demnach wird im kommenden Jahr die Nachfrage nach Rohöl um 1,4 Mio. B/T. sinken. Im Monatsreport Oktober gab die OPEC an die Fördermenge des Kartells auf 32,90 Mio. B/T gesteigert haben zu können. Nun wurde für kommendes Jahr die Nachfrage nach Rohöl auf 31,5 Mio. B/T geschätzt. Damit ergibt sich ein Überangebot von 1,4 Mio. B/T.  Die bearishe Aussicht der OPEC schickte die Ölpreise dann endgültig auf neue Tiefs. WTI erreichte ein 1-Jahrestief und Brent ein 8-Monatstief.

Grundproblem weiterhin ungelöst

Ohne eine künstliche Reduzierung der Rohölförderung durch die OPEC würde der Preisverfall noch drastischer sein. Aktuell fördert das OPEC-Kartell noch weniger Rohöl als vor den Förderkürzungen, doch wurden die Fördermengen zuletzt leicht angehoben. Im Grunde bleibt das Problem am Markt gleich. Die Nachfrage kann nicht so schnell wachsen, wie neue Fördermengen erschlossen werden. Allen voran die USA, aber auch Nigeria, Libyen, Irak, Brasilien, Kanada und die V.A.E. planen auch für das kommenden Jahr Investitionen in den Ausbau der eigenen Rohölförderung. Der Markt bleibt damit überversorgt. Damit Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind, müsste der Ölpreis weit niedriger liegen und dann Marktteilnehmer, die zu dem Preis nicht rentabel Arbeiten können aus dem Markt verdrängen. Das geschieht aktuell nicht oder nicht in dem Umfang, wie es ohne künstliche Förderkürzung der OPEC wäre. Daher floriert das Angebot massiv, da die Rohölförderung bei den vorherrschenden Preisen der letzten Monate sehr rentabel für alle ist.

Wie es aktuell scheint, können Verbraucher erstmals aufatmen und auf gemäßigte Ölpreise in den nächsten Wochen hoffen. Die Ölnotierungen starten ohne weitere Abwärtsbewegungen in den Tag. WTI kostet aktuell 55,43 US-Dollar. Brent notiert bei einem Preis von 65,40 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis hat ebenfalls einen guten Sprung nach unten gemacht. 100 Liter Heizöl kosten im Bundesdurchschnitt 85,47 Euro. Der Heizölpreis bleibt damit weiter auf hohem Niveau, im Gegensatz zu den Rohölpreisen.

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