Können USA Erwartungen erfüllen?

Die Schätzungen zur Steigung der US-Rohölförderung sind aktuell sehr positiv. Sofern die USA dem nicht gerecht werden, verknappt sich der Markt stärker.

05.09.2018 | Robby Erkmann

Der Aufwärtstrend des Rohölförderniveaus in den USA hält zwar ungebremst an, doch ob das erhoffte Niveau bis Ende des Jahres erreicht wird, ist fraglich. Die EIA meldete für Juni ein Förderniveau von 10,67 Mio. B/T. Für das Jahresende sollte dann ein Niveau von 11,0 Mio. B/T erwartet. Die neuste Schätzung gab dann an, dass die US-Rohölförderung im Dezember bei 11,3 Mio. B/T liegen soll. Sofern es keine Komplikationen gibt, könnte die US-Rohölförderung um etwa 0,6 Mio. B/T steigen. Allerdings war in der Vergangenheit berichtet worden, dass die Infrastruktur zum Abtransport des geförderten Rohöls nicht genug Kapazitäten aufweist, weshalb der Ausbau des Förderniveaus in den USA nur stockend vorankommt.
Der höheren US-Rohölförderung stehen geringere iranische Rohölexporte gegenüber, die bis November dem Ölmarkt etwa 1,5 Mio. B/T entziehen. Die USA können das Versorgungsproblem alleine nicht lösen. Daher hat die OPEC die Ölförderung bereits im Juni angehoben. Aktuell kann Saudi-Arabien noch etwa 0,4 Mio. b/T mehr Rohöl fördern. Womit dann nur noch 0,5 Mio. B/T ausgeglichen werden müssten. Wann und ob diese Mengen andere OPEC-Staaten übernehmen können ist nicht ganz sicher. Zwar sollen der Irak oder auch die V.A.E. noch Produktionsreserven haben, gesicherte Meldungen gibt es dazu aber kaum.
Daher bleibt zu hoffen, dass Produktionsausfälle in Libyen oder Nigeria ausbleiben, da sich die dortige Rohölförderung als besonders instabil erwiesen hat. Innerpolitische Konflikte mit Rebellen werfen das Produktionsniveau immer wieder zurück. Gleiches gilt für Venezuela, dessen Ölförderung seit Jahren infolge der politischen Wirtschaftskrise, rückläufig ist. Die Gesamtkonstellation bleibt damit unberechenbar und hält die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau.

Saudi-Arabien ohne Kursänderung

Das saudische Königreich hält einer Meldung von Reuters zufolge, an den Plänen aus Juni fest. Dort wurde inoffiziell bekanntgegeben, dass Rohölpreise in der Spanne von 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel wünschenswert sind. Auf einen reichlichen Ertrag aus dem Verkauf des Rohöls ist Saudi-Arabien auch angewiesen. Der Umbau der Wirtschaft durch Reformen ist teuer und begehrte Einnahmen durch den Börsengang des staatlichen Ölunternehmens Saudi-Aramco fallen weg. Offiziell bestätigt Saudi-Arabien diese Strategie nicht. Doch so wird durch Saudi-Arabien zu den jeweiligen richtigen Zeitpunkten eine Lockerung der Ölförderung angekündigt, wenn die Ölpreise nahe der 80 US-Dollar pro Barrel kommen. Andererseits wird im Bereich von 70 US-Dollar einem weiteren Abfall der Ölpreise entgegen gewirkt.

Der inländische Heizölpreis kennt weiterhin nur den Weg nach oben, seitdem am Wochenende die Raffinerie von Bayernoil ihre Produktion eingestellt hat. Dort war es am Wochenende zu einer gewaltigen Explosion gekommen. Es kann daher zu Versorgungengpässen kommen,  jedoch wurden dies bisher von offizieller Seite verneint. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist gestern auf 78,17 Euro pro 100 Liter gesprungen. Mit weiteren Anstiegen muss man aktuell noch rechnen, weshalb Kunden den Markt genau beobachten sollten.

Auf das international gehandelte Rohöl hat dieser Störfall keinen Einfluss. Dennoch liegen die Rohölpreise heute etwas niedriger als gestern. WTI kostet aktuell 69,09 US-Dollar pro Barrel. Brent notiert bei 77,50 US-Dollar pro Barrel.

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