Lage bleibt prekär

Die diplomatische Krise um Saudi-Arabien ist noch nicht ausgestanden. Die Ölpreise können bei Zuspitzung des Konfliktes in die Höhe schnellen.

22.10.2018 | Robby Erkmann

Ein Exportstop ist zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, doch Händler beobachten die Situation sehr genau. Zwar würde sich Saudi-Arabien mehr selbst schaden, doch sofern sich immer mehr Staaten vom Königreich abwenden und von der Wirtschaftskonferenz fernbleiben, desto eher hat Saudi-Arabien Grund in die offensive zu gehen. Derweil bleibt das Königshaus in Erklärungsnot. Man kann bisher nicht erklären, was mit der Leiche passiert ist und die Todesursache soll nach wie vor eine Schlägerei gewesen sein. Eine Verbindung der Beteiligten zum Kronprinz bin Salman wird ebenfalls bestritten. Stattdessen sollen die Sicherheitskräfte schwere Fehler begangen haben.

Doch Saudi-Arabien ist auch anderweitig auf Konfrontationskurs. Im Grenzgebiet zwischen Kuwait und Saudi-Arabien gibt es eine neutrale Zone.  Die dortigen Ölfelder könnten 0,5 Mio. B/T an Rohöl fördern. Die Aufnahme der Ölförderung wäre grundsätzlich schnell möglich, doch konnten sich beide Staaten bisher nicht einigen, wie die Kontrolle des Ölfeldes und der Verkauf des Rohöls geregelt werden sollen.

Unklare Vorgaben und Unsicherheit

Die Rohölpreise bleiben aktuell am oberen Ende der gewünschten Handelsspanne der OPEC. Die geopolitische Situation bleibt sehr angespannt und kann daher kurzfristig für ein Anziehen der Rohölnotierungen sorgen. Stützend wirken heute Nachrichten aus Norwegen. Laut neusten Meldungen ist die Rohölförderung niedriger als letztes Jahr. Im September betrug die Rohölförderung 1,3 Mio. B/T. Damit sank die Ölförderung zum Monat August um 13 Prozent und zum September des Vorjahres um 9,6 Prozent. Grund hierfür sind technische Probleme vom Ölförderer Equinor, sowie Wartungsarbeiten. Derzeitig rechnet das Norwegian Petroleum Directorate mit Problemen bis weit in das Jahr 2019 hinein.

Dagegen ist in Libyen die Rohölförderung weiter im Aufwind. Zurzeit liegt die Ölförderung dort recht stabil über der 1,0 Mio. B/T Marke. BP und Eni sehen aktuell wieder die Bereitschaft die Investitionen zu erhöhen. Damit kann im Grenzgebiet zu Tunesien der Grundstein gelegt werden die Rohölförderung weiter zu erhöhen. Die NOC sieht die Chancen, dass die Ölförderung im kommenden Jahr um mehrere 100.000 Barrel angehoben werden kann. Dafür ist es wichtig, dass die Sicherheitslage in Libyen sich weiter stabilisiert.

Eindeutige richtungsweisende Nachrichten fehlen bislang, sodass die Rohölnotierungen fast unverändert in den Tag starten. Brent kostet aktuell 80,30 US-Dollar pro Barrel. Die Sorte WTI kostet 69,58 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist dagegen auf ein neues Jahreshoch geklettert. Die Versorgungslage durch die niedrigen Pegelstände wird stetig schlechter und lässt die Frachtaufschläge weiter ansteigen. Eine Besserung ist nicht in Sicht, sodass 100 Liter Heizöl heute 84,09 Euro kosten.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation