Ölkurse stark abgerutscht

Am späten Freitag fiel der Kurs der Nordseesorte Brent zeitweise um 3,3 Prozent. Die Kommentare des OPEC-Kartells zeigen wohl doch Wirkung.

18.06.2018 | Robby Erkmann

Im Dezember 2016 hatten sich die OPEC-Mitglieder und einige Nicht-OPEC-Staaten dazu durchgerungen, den Markt künstlich mit weniger Rohöl zu verknappen. Infolge dessen konnten die weltweit hohen Rohölbestände sukzessive abgebaut werden und die Ölpreise an den Börsen entfernten sich von den historischen Tiefständen. In diesem Jahr liefen die Ölpreise auf ein Niveau von 80 US-Dollar pro Barrel hin. Doch das war bzw. ist wohl einigen OPEC-Staaten zu hoch, da die Gefahr besteht, dass Verbraucher verstärkt nach alternativen oder grünen Energieformen suchen.

 

Andererseits hat die Gruppe von Staaten wie Venezuela, Iran und Irak weniger Interesse an fallenden Preisen. Venezuela braucht jeden Cent um einen Staatsbankrott zu vermeiden. Der Iran will, bevor die neuerlichen Sanktionen deutlich ihre Wirkung zeigen, nochmal gutes Geld verdienen. Der Irak ist vom Verkauf seines Rohöl ebenfalls stark abhängig. Der iranische Repräsentant bei der OPEC hat am Wochenende deutliche Worte gefunden, wie man zu dem Vorhaben steht, die Ölproduktion deutlich anzuheben. So gibt es aktuell drei Gründungsmitglieder der OPEC, die gegen eine Produktionsanhebung sind. Für die Anpassung der Förderquoten sei Einstimmigkeit notwendig, die nicht geben ist. Somit müssten einzelne Staaten einen Alleingang unternehmen, war ein Bruch der Verträge darstellt. Die drei Staaten kontrollieren etwa die Hälfte der gesamten Öl-Reserven der OPEC-Staaten.

 

Märkte sind verunsichert

Was am Freitag passiert ist also noch längst nicht absehbar. Experten warten gespannt ab, welche Entscheidung getroffen wird. Die Ölpreise werden von der Entscheidung am Freitag für die nächsten Monate maßgeblich beeinflusst. Russland wird seine Interessen so vertreten, dass die Preise stabil bleiben, damit der Kurs des Rubbels ebenfalls stabil bleibt. Saudi-Arabien ist in einer Zwickmühle. Der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns wurde abermals verschoben. Damit der Börsengang zum Erfolg wird und die Kassen des Königreichs klingeln lässt, sind hohe Ölpreise von Vorteil. Denn so kann die Bilanz des Konzerns aufgebessert werden und treibt den Preis in die Höhe. Andererseits haben die USA einen wesentlichen Einfluss auf Saudi-Arabien. US-Präsident Trump attackierte die Preispolitik der OPEC zuletzt deutlich und forderte niedrigere Preise. Grund sind die Kongresswahlen im November. Die USA sind Hauptabnehmer von Rohöl aus Saudi-Arabien, das bei höheren Ölpreisen am Markt den Haushalt der USA stark verschlechtert. Die USA haben diesmal nur so großen Einfluss, weil enge Sicherheitsbeziehungen gepflegt werden und großen Rüstungsgeschäften.

Diese Woche kann daher sehr volatil werden, da die Nervosität der Marktteilnehmer zunimmt. WTI liegt aktuell bei 64,02 US-Dollar pro Barrel. Brent kostet heute Morgen 72,97 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 67,75 Euro pro 100 Liter.

 

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