Ölpreise auf 3-Jahreshoch

Die Preise gerieten an den Börsen kurzzeitig unter Druck, doch die Entwicklung der US-Rohölbestände nahm den Druck von weiteren Abwärtsbewegungen.

10.01.2018 | Robby Erkmann

Mit Veröffentlichung der API-Bestandszahlen der USA wurde dann eine deutliche Gegenbewegung eingeleitet. Das API meldete erneut Abbauten bei den Rohölbeständen, die zudem die Erwartungen deutlich übertrafen. Experten schätzten den Bestandsrückgang auf etwa 3,5 bis 4,1 Mio. Barrel, doch die API-Daten sprechen von einem Bestandsrückgang über 11,2 Mio. Barrel. Dies ist zudem der 8. Bestandrückgang in Folge. Dass die Destillat- und Benzinbestände dagegen Aufbauten verzeichnen, wird vom Markt weitestgehend ignoriert. Wahrscheinlich liegt die Raffinerieauslastung über dem Normalniveau, weshalb die Bestände zunehmen, wohingegen der Rohölbestand, aufgrund des höheren Raffinerieverbrauchs abnimmt.

Weiteres Aufwärtspotential können nicht nur die morgigen DOE-Daten bringen, sondern auch eine Entscheidung der USA über die Sanktionen des Irans am Freitag. 2015 wurde ein Vertrag mit dem Iran vereinbart, welcher das staatliche Atomprogramm von der Internationale Atom Energie Agentur überwachen lässt. Deshalb wurden die internationalen Sanktionen ausgesetzt, die somit der Wirtschaft und der Rohölförderungen neue Wachstumsanreize gegeben haben. Die Rohölförderung stieg von 2,8 auf heutige 3,8 Mio. B/T an. Formal hält der Iran das Abkommen ein, weshalb es keinen Interventionsbedarf gibt. Doch seit der Präsidentschaft Trumps gibt es immer wieder neue Spannungen. Trump fordert wieder schärfere Sanktionen und möchte einige ausgesetzte Sanktionen wieder fortführen. Die wohl ungerechtfertigte Aufkündigung des Vertrages könnte den Iran dazu veranlassen, ebenfalls Vereinbarungen zu durchbrechen. Dem einmal im Gang gesetzten Abwärtsstrudel könnte zum Schluss ein Ende des Vertrages bedeuten und das Atomprogramm des Irans wiederaufleben lassen, so die Befürchtungen von Börsianern. Damit würden neue erhebliche Aufwärtspotentiale für die Ölpreise generiert werden.

OPEC gegen zu hohe Ölpreise

Der iranische Ölminister Zanganeh sprach gegenüber der Nachrichtenagentur des Ölministeriums über die aktuellen Rohölpreise. Demnach haben mehrere Mitglieder der OPEC kein Interesse an noch höheren Preisen. Im Gegenteil, selbst der Rohölpreis für Brent, der weit über 60 US-Dollar pro Barrel liegt, sei zu hoch und solle fallen. Der Grund ist, dass die US-Schieferölindustrie die Produktion bei höheren Preisen stark erhöhen kann und somit weitere Marktanteile zugewinnt. Außerdem können die hohen Preise durch Hedging abgesichert werden und stärken auch die zukünftige Förderung der US-Ölfirmen. Zudem komme, dass die höhere Rentabilität mehr Spielraum für Forschung und neue Fördermethoden schaffe, was die US-Schieferölindustrie prinzipiell wirtschaftlicher werden lässt und die Förderkosten senkt.

Kurzfristig dürfte die gestrige Aufwärtsbewegung die OPEC-Staaten weniger freuen. Der Preis für ein Barrel WTI stieg um etwa 1,5 US-Dollar an und liegt am heutigen Morgen bei 63,46 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent verzeichnete einen Aufwärtssprung von etwa 1,20 US-Dollar und kostet somit im Augenblick 69,16 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland hat sich kaum verändert und liegt bei 63,98 Euro pro 100 Liter. Die aktuelle Situation am Ölmarkt wird den Heizölpreis vorerst keine größeren Abwärtsspielräume geben.

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