Ölpreise bald billiger?

Eine Analyse von der US-Bank JPMorgan sieht die Preise tiefer, doch ob die OPEC das zulassen wird ist fraglich, erste Exportkürzungen wurden angekündigt.

27.07.2018 | Robby Erkmann

Analyst Phil Gresh schätzt den aktuellen Rohölpreis von 70 US-Dollar als nahezu optimal ein. Grund ist die Annahme eines Nachfragerückganges bei einem Preisniveau von 80 US-Dollar pro Barrel. Daher hatte die OPEC im Juni bei diesem Preisniveau mit der Anhebung der Fördermengen gegengesteuert. Die Preisuntergrenze für die US Firmen liegt etwa bei 50 US-Dollar pro Barrel. Diesen Preis benötigen die Firmen um ihre Kosten zu decken und eine Dividende ausschütten zu können. Demnach sind Preise zwischen 50 und 80 US-Dollar denkbar. Der aktuelle Preis ist nahezu optimal, da das Nachfragewachstum nicht negativ beeinflusst wird und zusätzlicher Cash-Flow erwirtschaftet werden kann. Das ermöglicht zudem Investitionen in Zukunftsprojekten und ermöglicht es Unternehmensanteile zurückzukaufen.
Unabhängig davon schätzt JPMorgan langfristig den Rohölpreis für die US-Sorte WTI auf 60 US-Dollar pro Barrel ein. Die Einschätzung im Vormonat lag noch bei 55 US-Dollar. Kurzfristig dürften die Ölpreise daher kaum Spielraum nach unten haben. Damit die Preise nicht weiter absacken hatte Saudi-Arabien bereits angekündigt die Rohölexporte im August um 100.000 B/t zu reduzieren.

Preise ignorieren Veränderungen

Stützend für den Ölpreis war zuletzt die Meldung, dass die Töne im Handelsstreit zwischen der EU und den USA wieder milder werden. Juncker und Trump meldeten, man wolle gemeinsam die gegenseitigen Industriezölle abbauen. Solange dieser Dialog geführt wird, werde es auch keine weiteren Zölle geben, so der Kommentar von Juncker und Trump. Die schnelle Wendung ist recht überraschend, da man zuletzt noch davon ausging, dass der Handelskrieg sich zuspitzen würde. Nach der Reaktion der EU mit Gegenzöllen, auf die zuerst verhängten Zölle der USA, drohten die USA bereits mit weiteren Maßnahmen. Diese Drohung ist nun erstmal gestoppt und man wolle wieder miteinander reden.
An den Börsen ist diese Meldung preisstützend, kann die Preise aber nicht in eine Aufwärtsbewegung bringen. Dennoch dürfte ein sich abschwächender Konflikt das Wirtschaftswachstum unterstützen und die Ölnachfrage ankurbeln.

Derweil ist immer noch unklar, wann Saudi-Arabien die Ölexporte über den Sues Kanal wieder aufnimmt. Nun hat Kuwait ebenfalls angedeutet das Passieren der Straße zu meiden, wenn die Sicherheit beim Durchqueren nicht gewährleistet werden kann. Somit müsste dann der längere und teurere Seeweg über die Südspitze Afrikas in Kauf genommen werden, um Rohöl nach Europa zu transportieren.  Dieser Faktor ist ebenfalls bullishe hat bisher aber nur begrenzte Auswirkung auf die Rohölpreise, die damit das Niveau der letzten Tage beibehalten.

Brent kostet aktuell 74,26 US-Dollar pro Barrel. Die Sorte WTI wird im Moment für 69,35 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Beide Notierungen liegen derzeitig leicht im Minus. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist weiter angestiegen und beträgt heute 69,68 Euro pro 100 Liter.

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