Ölpreise legen Pause ein

Kurzfristige Faktoren sorgen für etwas Entspannung in einem weiterhin bullishen Marktumfeld. Eine größere Abwärtsbewegung wird wohl ausbleiben.

14.09.2018 | Robby Erkmann

Beruhigend wirken aktuell Daten aus den Schwellenländern. Dort schwächelt das Wirtschaftswachstum, da die Währungen deutlich abgeschwächt gegenüber dem US-Dollar sind.  Das reduziert die Kaufkraft der Schwellenländer und dämpft die Ölnachfrage. Der Ölmarkt wird dadurch weniger knapp, was die Ölpreise dann etwas fallen lässt. Doch diese Momentaufnahme kann sich mit der Zeit auch wieder ändern, sodass die Schwellenländer wieder zulegen. Die Schwellenländer sind der entscheidende Faktor für das Nachfragewachstum nach Rohöl, da die Industriestaaten kaum, oder gar keine Wachstumsraten bei der Ölnachfrage verzeichnen. Außerdem sorgte der neuste Tweet von US-Präsident Trump für sinkende Ölpreise. Dort sagte er, dass China auf die USA zugehen müsste, da sonst die neuen Strafzölle auf Waren im Wert von 200 Mrd. US-Dollar kurzfristig umgesetzt werden. So fürchtet der Markt aufgrund der Zölle ein allgemein schwächeres Wirtschaftswachstum, das dann wiederrum auch die Nachfrage nach Rohöl sinken lässt.

Es bleibt aber dabei, dass der Markt weiterhin Angst vor einer Unterversorgung hat. Die Reservekapazitäten, um die Rohölförderung kurzfristig zu steigern sind sehr niedrig und die geopolitischen Risiken sind weiter ungelöst. Der Nahe und Mittlere Osten ist weiterhin ein Brennpunkt, sodass die dortige Ölförderung in vielen Regionen durch Konflikte stark abfallen könnte. Die zusätzlich fehlenden Mengen könnten durch den Markt, aber kaum aufgefangen werden.

Iran auf Isolationskurs

Durch die Wirtschaftssanktionen der USA ist der Iran schon jetzt deutlich isoliert. Dabei gelten die Sanktionen gegen die Ölindustrie erst ab dem 4. November. Nun überraschen Zahlen aus China und Indien den Markt. Die IEA meldete, dass China im August 200.000 B/T und Indien 380.000 B/T weniger Rohöl aus dem Iran importiert haben. Diese Daten gehen aus Schiffsdaten hervor und sind somit sehr genau. Außerdem ist nun seit 18 Tagen kein Rohöltanker mehr Richtung China aufgebrochen. Betrachtet man den Jahresdurchschnitt an Exporten Richtung China, so müssten in dieser Zeit rund fünf bis sechs Rohöltanker ausgelaufen sein. Diese Angaben stützen das Preisniveau und zeigen, wie weitreichend der Einfluss der USA ist. Trotzdem betonten China und Indien, dass es nicht möglich ist, auf Ölimporte aus dem Iran zu 100 Prozent zu verzichten.

Der durchschnittliche Heizölpreis bleibt unterdessen auf konstant hohem Niveau. Mit kurzfristigen Preisnachlässen darf aktuell noch nicht gerechnet werden. Ungewiss sind weiterhin die langfristigen Auswirkungen der Raffinerieabschaltung in Bayern. 100 Liter Heizöl kosten heute im Bundesdurchschnitt 77,67 Euro. WTI und Brent liegen nach den gestrigen Kursverlusten heute wieder etwas fester. Brent kostet im Moment 78,51 US-Dollar pro Barrel. WTI notiert zurzeit bei 69,05 US-Dollar pro Barrel.

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