Ölpreisentwicklung ungewiss

Nach dem Kurssprung der letzten Tage gibt es viele Einschätzungen zur Entwicklung der Preise. Diese sind sehr unterschiedlich und verunsichern Verbraucher.

26.09.2018 | Robby Erkmann

So äußerte sich das Schweizer Rohstoffhandelsunternehmen Mercuria zur aktuellen Situation, dass der Markt die fehlenden Rohölexporte aus dem Iran von etwa 2,0 Mio. B/T nicht auffangen könne. Das niederländische Rohstoffhandelsunternehmen Trafigura schätzt den Ölmarkt ebenfalls sehr bullish ein. Bis Weihnachten sagt die Einschätzung von Trafigura einen Ölpreis von 90 US-Dollar pro Barrel voraus.  Anfang des nächsten Jahres soll der Ölpreis pro Barrel schon bei 100 US-Dollar liegen. Diese Aussichten dürften US-Präsident Trump ganz und gar nicht gefallen, der auf der UN-Vollversammlung wieder einmal niedrigere Ölpreise fordert. Trump steht unter Druck, da die Kongresswahlen anstehen und er die Entwicklung der Ölpreise durch die neuen Iransanktionen größtenteils selbst zu verantworten hat.
Dagegen hat die US-Bank Goldman Sachs eine ganz andere Einschätzung. Die Angst vor dreistelligen Rohölpreisen ist erstmal unbegründet. Demnach werden die OPEC- und Nicht-OPEC Staaten den Markt weiterhin mit Rohöl versorgen können. Darunter leide dann die Reservekapazität, doch erst mit weiteren Ausfällen würde es dann Probleme mit der Ölversorgung geben. Außerdem rechnet die US-Bank damit, dass die USA im Falle stärkerer Preisanstiege strategische Ölreserven freigeben, um den Ölpreis zu senken.
So gehen die Preisaussichten weit auseinander, doch eine Entwicklung ist sicher. Die Ölpreise werden vorerst nicht stark fallen. So hat die OPEC bei zu starken Preisabfällen dafür gesorgt, den Ölpreis auf mindesten 70 US-Dollar pro Barrel zu halten.

Das Ende einer Ära

Mit der derzeitigen Etablierung des Preisniveaus ist das Ende des billigen Rohöls wohl vorerst besiegelt. Infolge des Booms der Schieferölindustrie sanken die Ölpreise Ende 2014 auf ein für damals unmöglich gehaltenes Niveau.  Anfang 2016 wurde es dann nochmals billiger. Seitdem steigen die Ölpreise langfristig immer weiter an. Die Marktkonstellation der Überversorgung ist vorbei. Die OPEC wollte die Schieferölindustrie mit günstigen Ölpreise aushungern lassen, da die Förderkosten seinerzeit noch sehr hoch waren. Forschung und Entwicklung haben dafür gesorgt, dass die Schieferölindustrie auch zu Ölpreisen von 40 US-Dollar pro Barrel kostendeckend Öl fördern kann. Das hat auch die OPEC gemerkt und hat sich mit den niedrigen Ölpreisen selbst geschadet, da die Staaten von den Einnahmen aus dem Ölexport abhängig sind. Somit verknappte man den Ölmarkt künstlich und die Ölpreise zogen langsam an. Mit den nun unvorhergesehenen Rohölausfällen im Iran und in Venezuela stößt die Versorgung an ihre Grenzen. Die Folge sind steigende Ölpreise. Bis wohin die Reise geht, darüber diskutieren die Experten und Analysten, ohne  eine Antwort darauf zu kennen.

Die Rohölpreisen verteidigen das neue Niveau auch heute erfolgreich. Brent kostet aktuell 81,98 US-Dollar pro Barrel. WTI notiert im Moment bei 72,27 US-Dollar pro Barrel. Dass der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland deutlich gestiegen ist wundert daher nicht. Heute kosten im Bundesdurchschnitt 100 Liter Heizöl 77,54 Euro. Damit nimmt der Durchschnittpreis für Heizöl Kurs auf ein neues Jahreshoch. Verbraucher sollten in den kommenden Monaten mit weiter steigenden Preisen rechnen.

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