Panikverkäufe an US-Börse

Der amerikanische Leitindex Dow Jones brach gestern mit etwa 1.600 Punkte, so stark ein wie noch nie und sackte somit zeitweise um sechs Prozent ab.

06.02.2018 | Robby Erkmann

Schon in den Tagen zuvor nahm der Einfluss der Aktienkurse auf die Ölpreise zu. Dass sich die Ölpreisentwicklung an den Charts der Aktienmärkte orientiert ist normal, da die Entwicklung der Aktienmärkte die Konjunkturlage der Wirtschaft wiedergibt. Doch der Einfluss der Aktienmärkte war in der kürzeren Vergangenheit nur sehr schwach. So verteuerte sich der Rohölpreis für Brent Seit Ende Juni um etwa 50 Prozent, wohingegen der Aktienindex Dow Jones um etwa 25 Prozent zulegte. Mit Berücksichtigung der Kursverluste der letzten Tage stieg der Dow Jones um etwa 15 Prozent an. Hieran sieht man gut, dass die Entwicklung beider Werte sehr unterschiedlich verlief.

Ein weiteres bearishe Signal ist der wieder geringere Spread zwischen Brent und WTI. Hiermit ist der Preisunterschied zwischen der europäischen Sorte Brent und der amerikanischen Sorte WTI gemeint. Dieser lag im Dezember und zum Jahresanfang bei etwa sechs bis sieben US-Dollar pro Barrel. Der hohe Preisunterschied begünstigte nun, dass die Nachfrage nach WTI deutlich zunahm und die Exporte für WTI anstiegen. Daher nahmen die US-Rohölbestände, wie es die Daten des DOE jede Woche zeigen, deutlich ab. Gleichzeitig ergab die hohe Nachfrage nach Brent weiterhin ein Anzeichen für eine knappe Rohölversorgung. Nun ist der Spread auf aktuell etwa 3,70 US-Dollar gesunken und signalisiert damit das Gegenteil. Die Rohölnachfrage ist wahrscheinlich geringer, weshalb auch der Preisunterschied abnimmt. Saisonal würde das jedenfalls nicht überraschen. Mit einem sinkenden Brentpreis würde dann die Nachfrage nach der europäischen Sorte wieder zulegen, was dann wiederrum die Ölbestände in den USA prinzipiell steigen lässt, weil die Exportnachfrage sinkt.

Sorgenkind Venezuela stützt Preise

Für eine bullishe Nachricht sorgte der US-Außenminister Tillerson, der in Argentinien über die Lage in Venezuela sprach. Laut Tillerson sei es weiterhin eine Option, die Importe aus Venezuela stark einzuschränken. Damit möchte man den Druck auf den sozialistischen Präsidenten, der eine fragwürdige Politik führt erhöhen. Er betonte jedoch, dass man dabei die Situation des Volkes betrachten muss, um die aktuelle Notlage nicht weiter zu verschlimmern. Die Ölindustrie in Venezuela ist durch die anhaltende Wirtschaftskrise stark eingebrochen. Das aktuelle Förderniveau ist so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Für Dezember 2017 schätzt die IEA die Ölförderung Venezuelas auf 1,61 Mio. B/T. Die Befürchtung, dass die Situation sich verschärfen könnte, stützte gestern vor allem die Notierung des WTI-Kontraktes.

Letztlich konnten die Ölnotierungen ihr Niveau nicht verteidigen und gaben weiter nach. Die Nordseesorte Brent kostet heute früh 67,11 US-Dollar pro Barrel. WTI notiert aktuell bei einem Preis von 63,73 US-Dollar pro Barrel. Beide Werte liegen heute Morgen über ihren Eröffnungskursen. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute über einen Euro unter den gestrigen Durchschnittpreis. Für 100 Liter Heizöl muss heute nur noch 62,08 Euro bezahlt werden.

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