Ruhe vor dem Sturm?

Zwar hat sich der Syrienkonflikt erstmal beruhigt, da Russland auf den Raketenangriff der USA nicht reagiert hatte, doch ein aufatmen ist noch zu früh.

17.04.2018 | Robby Erkmann

So scheiterten bereits seit Mittwoch vier Resolutionen im UN-Sicherheitsrat. Russland brachte ebenfalls einen Entwurf hervor, der die Angriffe der US-Streitkräfte verurteilt, war damit aber gescheitert. Die Resolutionsentwürfe des Westens konnten dagegen ebenfalls keine Mehrheit finden. Diese Entwürfe sahen vor, dass ein unabhängiger Mechanismus die mutmaßlichen Giftgasangriffe in Syrien untersucht. In der am Montag offengelegten Resolution wurde gefordert, dass die syrische Regierung uneingeschränkt mit der Organisation für das Verbot von Chemischer Waffen zusammenarbeitet und es einen humanitären Zugang, ohne Einschränkungen gibt. Ein weiterer Punkt war, dass die syrische Regierung die Verhandlung mit den Rebellen unverzüglich und konstruktiv aufnimmt. Diesen Entwurf hat Russland noch nicht abgelehnt, weil er noch geprüft werden muss.

Da die vergangenen Entwürfe jeweils nicht verabschiedet wurden, ist auf diplomatischer Ebene kein Vorankommen zu erkennen. Der Konflikt in Syrien begann vor über sieben Jahren. Seitdem kam der UN-Sicherheitsrat 113-mal zusammen, ohne dass ein erkennbarer diplomatischer Fortschritt gelang. Die US-Botschafterin Nikki Haley betonte, unter Verweis auf ein Telefonat mit Donald Trump, dass die USA feuerbereit sind, sofern es zu weiteren Giftgasangriffen der syrischen Armee kommen würde. Die Lage in Syrien bleibt daher sehr brisant und ist noch nicht entschärft. Dennoch wurden die Risikoprämien leicht abgebaut, da die akute Gefahr einer offenen Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland vorerst beendet ist.

Entwicklung der USA bleibt bearish

Baker Hughes meldete gestern ein 3-Jahreshoch bei der Anzahl der aktiven Ölbohranlagen in den USA. Insgesamt sind nun 815 Anlagen aktiv, das sind sieben Anlagen mehr, als vergangene Woche. Die neuerlichen hohen Rohölpreise machen die Suche nach Rohöl noch attraktiver. Die Anzahl der aktiven Ölbohranlagen ist ein Indikator für das Wachstum der US-Ölförderung. Neben den aktiven Ölbohranlagen, geben auch die angebohrten und noch nicht angeschlossenen Ölquellen Aufschluss über die zukünftige Entwicklung der US-Rohölförderung. Aktuell gibt es 7.692 angebohrte, aber nicht voll erschlossene Ölquellen in den USA. Das sind 94 Stück mehr als im Monat März und ist gleichzeitig ein neues Rekordniveau. In den Vorjahren lag dieser Wert deutlich niedriger. Im Jahr 2017 gab es im Jahresmittel 6.549 angebohrte Ölquellen. Ein Jahr zuvor waren es 5.926 Stück und 2014 gab es in den USA 4.611 solcher nicht vollends erschlossenen Ölquellen. Das Wachstum der US-Ölindustrie bleibt damit weiter enorm und verliert nicht an Dynamik. Der bearishe Einfluss wird im Augenblick von den geopolitischen Ereignissen überschattet, weshalb die Rohölpreise aktuell auf hohem Niveau verweilen.

Der Rohölpreis für ein Barrel Brent liegt auch heute Morgen wieder über 70 US-Dollar und notiert augenblicklich bei 71,77 US-Dollar. Die amerikanische Sorte WTI kostet im Moment 66,64 US-Dollar pro Barrel. Beide Werte sind heute Morgen etwas stabiler, als zur Eröffnung. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 65,47 Euro pro 100 Liter und ist im Vergleich zu gestern leicht gesunken.

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