Ruhe vor dem Sturm

Die Rohölpreise testeten gestern erfolgreich die Widerstände nach unten. Doch für einen Sprung nach oben reicht es noch nicht. Das kann sich noch ändern.

27.04.2018 | Robby Erkmann

So ist die Lage am Markt derzeit so gut, dass bearishe Nachrichten teilweise nicht beachtet werden. Die Analyse der Citigroup, dass die USA im kommende Jahr zum weltweit größten Rohölexporteuer aufsteigen können, lies die Preise an den Ölbörsen nicht fallen. Zwar ist die Situation nicht neu, dass die US-Schieferölindustrie starke Wachstumsraten aufweist, doch so haben solche Meldung normalerweise einen größeren Effekt auf die Preise. Die wöchentlichen erfassten Daten zu den US-Rohölexporten war im letzten Bericht des DOE auf ein neues Rekordhoch geklettert. Die Citigroup ist der Meinung, die USA werden nächstes Jahr Saudi-Arabien als größten Rohölexporteur ablösen. Wenngleich hier wöchentliche Daten mit Monatsdaten verglichen wurden, ist dies ein immer realistischeres Szenario.

Dabei wird, sofern die Entwicklung der Rohölförderung in den USA nicht ins stocken gerät, die USA schon dieses Jahr ebenfalls zum größten Rohölproduzenten aufsteigen und Russland vom ersten Platz verdrängen. Die Lage am Markt bleibt, trotz dieser Meldungen aufgrund der geopolitischen Ereignisse weiter sehr bullishe. Im Fokus stehen weiterhin der Iran und auch Venezuela.

Iran-Konflikt bestimmt die Richtung

Für die Ölpreise ist im Augenblick eine andere Baustelle ausschlaggebend, wohin die Reise geht. So sind die Rohölpreise seit Anfang April um ungefähr 6 bis 7 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Die Spannung wie Präsident Trump am 12. Mai über das Atomabkommen mit dem Iran entscheiden wird, hält die Märkte in Aufruhe. Denn neue Sanktionen könnten die iranische Rohölförderung um bis zu 1 Mio. B/T reduzieren. Das würde den ohnehin viel knapperen Markt als letztes Jahr, noch knapper werden lassen, denn die Rohölbestände weisen längst nicht einen so großen Puffer auf, wie letztes Jahr. Das würde die Preise dann auf neue Rekorde treiben können.

Die Rohölbestände sind nämlich durch die Lage in Venezuela zusätzlich belastet worden. Hier lag die Rohölförderung Anfang 2016 noch bei 2,5 Mio. B/T. Aktuell liegt die Ölproduktion in Venezuela bei nur noch 1,5 Mio. B/T und ist weiter rückläufig. Eine Entspannung der politischen und wirtschaftlichen Lage ist aktuelle ebenfalls nicht in Sicht.

Die Notierungen der Rohölpreise sind daher zu gestern fast unverändert. WTI kostet im Moment 67,91 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent bleibt nahe der 75 US-Dollar Marke und kostet aktuell 74,50 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist mit 67,32 Euro pro 100 Liter Heizöl auf ein neues Jahreshoch geklettert.

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