Saudi-Arabien belastet Ölpreise

Die gemeldete Rohölförderung der saudischen Regierung verunsichert aktuell Experten, denn die Einschätzungen beider Parteien weichen stark ab.

10.08.2018 | Robby Erkmann

Saudi-Arabien meldete in der letzten Woche, dass die Rohölförderung im Juli bei 10,3 Mio. B/T gelegen hat und damit gesunken ist. Dies hat Marktbeobachter überrascht, denn es wurde mit einer weiter steigenden Ölförderung gerechnet. Wenig zuvor kommunizierte die saudische Regierung noch, dass man im Juli ein neues Rekordhoch erreichen würde. Als Begründung für den Kurswechsel nannte die Regierung, eine schwächere Ölnachfrage.
Sehr ungewöhnlich ist, dass Schätzungen anderer Experten die Rohölförderung Saudi-Arabiens für Juli deutlich höher einschätzen. S&P Global Platts und die EIA meldeten Werte um eine Ölförderung von etwa 10,6 Mio. B/T. Daher werden die am Montag veröffentlichten OPEC-Daten mit Spannung erwartet, die dann vielleicht Licht ins Dunkle bringen. So sollen zuletzt Vertreter aus der Ölindustrie, die Experten darum ersucht haben, die Schätzungen bezüglich der saudischen Rohölförderung nach unten zu korrigieren. Mitglieder der saudischen Regierung erklärten dazu, dass Saudi-Arabien aktuell einem großen politischen Druck ausgesetzt sei, der von dem Iran und den USA verübt wird.

Die USA haben in der Vergangenheit starken Druck auf die OPEC und damit auch auf Saudi-Arabien ausgeübt. US-Präsident Trump kritisierte öfters, dass die hohen Ölpreise nicht gut sind. Doch die verhängten Wirtschaftssanktionen, die bald auch den iranischen Ölsektor treffen werden, reduzieren die Angebotsmenge an Rohöl stark. Daher war die Konsequenz, dass die Ölpreise aufgrund dieser Erwartungen angezogen sind. Um diesen Effekt abzumildern, haben die USA mit Nachdruck eine höhere Ölförderung der OPEC und insbesondere Saudi-Arabiens verlangt.

Weiteres Abrutschen unwahrscheinlich

Solange zwischen den USA und dem Iran keine Einigung erzielt wird und die Sanktionen vollends in Kraft treten, bleibt die Untergrenze bei Brent von 70 US-Dollar wohl bestehen. Experten schätzen weiterhin, dass die iranische Rohölförderung im Mittel auf etwa 1,0 Mio. B/T zurückgehen. Diese Annahme hat der Markt bereits eingepreist, weshalb größere Kursausschläge aufgrund des Konflikts ausbleiben, sofern die Rahmenbedingungen gleich bleiben. Länder wie China, Japan, Indien und Südkorea dürften wohl weiter Rohöl aus dem Iran beziehen. Ob diese durch die USA eine Ausnahmegenehmigung erhalten ist aber fraglich. Händler sowie Endverbraucher können damit weiterhin rechnen, dass die Handelsspanne von 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel bestand hat.

Brent kostet heute Morgen 71,90 US-Dollar pro Barrel. Die amerikanische Sorte notiert bei 66,57 US-Dollar pro Barrel. Beide Referenzsorten sind leicht im Minus. Deutlich niedriger liegt der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland. Heute kosten 100 Liter Heizöl im Bundesschnitt 69,80 Euro.

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