Short-Positionen bleiben unbeliebt

Die aktuelle Marktkonstellation spricht weiter für steigende Ölpreise. Wobei die OPEC wohl bei 80 US-Dollar pro Barrel wieder gegensteuern wird.

03.09.2018 | Robby Erkmann

Fraglich bleibt, ob die OPEC genug Handlungsspielraum hat, um entsprechend gegensteuern zu können. Denn die Reservekapazitäten der Mitgliedsstaaten sind nicht mehr so groß, da einiges an Potential bereits ausgeschöpft wurde. Denn die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran haben schon jetzt, und damit früher als erwartet, großen Einfluss auf die Rohölexporte des Landes. Davon sind die Marktteilnehmer überrascht, denn die Sanktionen gegen die Ölindustrie des Irans treten erst ab 4. November in Kraft. Das Exportniveau im Iran lag im Juni noch bei etwa 2,3 Mio. B/T. Die National Iranian Oil Company hat nun veröffentlicht, dass die Ölexporte im September bei nur noch 1,5 Mio. B/T liegen sollen. Damit treffen die Auswirkungen schon eher als gedacht die weltweite Ölversorgung. Bis November werden dann die Rohölexporte im Bereich von 0,8 bis 1,0 Mio. B/T liegen. Die fehlenden Mengen müssen dann durch andere Länder und Exporteure aufgefangen werden, damit der Markt nicht dauerhaft unterversorgt ist. Sonst würden die Rohölpreise an den Börsen weiter nach oben klettern. Der bearishe Ausblick und die vielen Unsicherheiten lassen die Händler daher aktuell weniger zu Short-Positionen greifen, die Ausdruck dafür sind, dass auf fallende Ölpreise spekuliert wird.

Handelsgespräche stocken

Die USA und China finden im Handelsstreit weiterhin zu keinen Konsens. Beide Seiten hatten zwar Gespräche geführt und auch Bereitschaft gezeigt, eine Lösung zu finden, doch ein Fortschritt ist bisher nicht zu verzeichnen. In dieser Woche drohen nun weitere Zerwürfnisse. Trump plant in der laufenden Woche neue Strafzölle im Wert von 200 Mrd. US-Dollar gegen China zu beschließen. Sofern es keine Einwände gibt, sollen die angekündigten Maßnahmen schon diese Woche in Kraft treten. Ob der höhere Druck die chinesische Regierung zu neuen Kompromissen bewegt ist unwahrscheinlich, sodass die Fronten zwischen beiden Parteien mehr verhärten und eine Lösung unwahrscheinlicher wird. Auf die Ölpreise hat dieser negative Ausblick eine positive Wirkung für Endverbraucher. Denn dadurch wird das Ölnachfragewachstum reduziert, da die Prognosen für das Wirtschaftswachstum geringer ausfallen. Eine geringere Ölnachfrage bedeutet, dass die Versorgungslage am Markt besser ist und die Situation weniger knapp.

Demzufolge ist die Marktlage unverändert, was auch die Ölpreise an den Börsen wiederspiegeln. WTI kostet heute Morgen pro Barrel 69,65 US-Dollar. Brent notiert zurzeit bei 77,52 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis liegt heute mit 75,11 Euro pro 100 Liter auf einem neuen Jahreshoch.

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