Strategiewechsel bei der OPEC

Nach dem Preisverfall wird die OPEC wohl gegenlenken müssen, da die Ölpreise sonst weiter fallen würden. Doch kann sich die OPEC überhaupt einigen?

15.11.2018 | Robby Erkmann

Eine Einigung war in der Vergangenheit zu großen Teilen nur von Saudi-Arabien abhängig, die stets eine Vormachtstellung einnahmen, wenn es um die strategische Ausrichtung ging. Bis zum OPEC-Meeting am 6. Dezember in Wien dauert es noch etwa drei Wochen. Saudi-Arabien hatte daher bereits angekündigt im Dezember auf eigener Last 0,5 Mio. B/T weniger Rohöl zu fördern. Inwiefern die anderen Mitglieder dem zustimmen ist fraglich. Dabei dürfte es im Interesse aller liegen, den Ölpreis stabil zu halten, da sonst Ölpreise möglich sind, wie 2016, als die OPEC notgedrungen die Förderkürzungen beschlossen hat.

Der OPEC-Präsident hat nun erklärt, dass die OPEC einen Strategiewechsel für das kommende Jahr braucht. Dabei sollte das Ziel sein, die globalen Ölbestände auf das aktuelle Niveau zu halten. Demnach bedeutet dies, Aufbauten und Abbauten zu vermeiden und notwendige Investitionen nicht aufzuschieben und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu begünstigen. Die OPEC Gesamtproduktion liege aktuell bei etwa 33,0 Mio. B/T. Das ist deutlich zu viel und hat den Kurssturz verursacht. Unangenehm ist auch die starke US-Rohölförderung. Wenn die OPEC dem Markt in Gleichgewicht halten will, so muss diese ihr Rohölförderung kürzen, wenn andere Staaten ihre Rohölförderung ausbauen. Damit verliert die OPEC sukzessive Marktanteile, doch anders lässt sich der Markt nicht in Balance halten. Damit dürften vor allem OPEC-Mitglieder unzufrieden sein, die aktuell in einen Ausbau der Rohölförderung investieren. Denn von den getätigten Investitionen lässt sich dann nicht profitieren. Das OPEC-Meeting wird eine kontroverse Diskussion mit sich bringen.

Bärenmarkt befürchtet

Der Preisverfall ist im Allgemeinen noch nicht sicher abgewendet, auch wenn die Ölpreise gestern nicht weiter sanken. So kann es generell zu einer wirtschaftlichen Flaute am Markt kommen, wofür die Ölpreise ein Indiz sein könnten. Gründe sind auch in den USA zu finden. Dort steigt die Inflation an und die FED plant eine Zinsanhebung. Eine Zinsanhebung hat den Abfluss von Kapital aus den Schwellenländern zufolge. Die chinesische Wirtschaft wächst langsamer als gedacht und im Handelsstreit zwischen den USA und China ist keine Einigung in Sicht. Eine Korrektur am Aktienmarkt im Oktober könnte ein weiteres Indiz sein, dass die Stimmung perspektivisch eher eingetrübt ist.

So bleibt der Ölmarkt weiter spannend, vor allem bis Anfang Dezember. Das OPEC-Meeting kann dann ausschlaggebend für eine neue Richtung sein. WTI kostet heute Morgen pro Barrel 56,22 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent notiert bei einem Pries von 66,26 US-Dollar pro Barrel. Wieder einen Sprung nach unten hat der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland gemacht. Heute kosten 100 Liter Heizöl im Bundesdurchschnitt 83,66 Euro.

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