Tag der Entscheidung

Im Vorfeld haben die Ölfutures gestern deutlich nachgegeben, wurden aber an den Unterstützungen aufgehalten. Das Risiko für große Ausschläge bleibt hoch.

22.06.2018 | Robby Erkmann

Denn sicher ist eine Einigung noch immer nicht, auch wenn die OPEC-Staaten sich deutlich näher gekommen sind. Generell schlägt das Joint Ministerial Monitoring Committee, bestehend aus OPEC- und Nicht-OPEC Ländern, vor die Produktionskürzungen um 1 Mio. B/T zu verringern. Das Komitee hält eine schrittweise Anhebung der Produktion für wenig sinnvoll. Dieses Gremium dient dazu, die Minister der entscheidenden Mitgliedsstaaten zu beraten und hat daher keine bindende Wirkung. Durch das unabhängige Komitee sehen nun auch die Mitgliedsstaaten, die bisher der Anhebung kritisch gegenüberstanden, wie wichtig eine Anhebung der Produktion für den Ölpreis ist. Saudi-Arabien wird oftmals unterstellt, durch die USA beeinflusst zu werden und deswegen nicht im Sinne der OPEC handelt, sondern auf Druck durch die USA. Doch im JMMC sind alle Staaten vertreten, auch Vertreter von Staaten, die sich bisher gegen eine Anhebung aussprechen.

Kompromiss im unteren Bereich

Für wahrscheinlich gilt, dass heute eine Kompromisslösung gefällt wird. Viele Analysten gehen davon aus, dass der Iran und Venezuela dem Vorschlag des JMMC, die Ölproduktion um 1,0 Mio. B/T anzuheben, nicht zustimmen werden, da beide Staaten von einer Anhebung selbst nicht profitieren können. Daher wird der Beschluss wohl eine geringere Menge im Bereich von 0,6 mio. B/T enthalten. Ob das reicht, die Ölpreise über den Sommer stabil zu halten, bleibt fraglich. Schon jetzt gilt der Markt als unterversorgt. Daher könnte es gut sein, dass dem Wunsch Russlands entsprochen wird, sich nach dem nachfragestarken Sommer erneut zusammenzusetzen, um die dann aktuelle Situation neu einschätzen zu können. Damit könnte die OPEC flexibel auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren. Denn die Ölproduktion in Libyen steht aktuell wieder unter Druck, durch örtliche Konflikte mit Rebellen und auch die Ölproduktion in Venezuela ist weiter rückläufig. Daher stellt eine Anhebung von 0,6 Mio. B/T das Minimum dar, was angesichts der Marktsituation sinnvoll ist.

Die Ölpreise sind gestern stark abgefallen und auch der durchschnittliche Heizölpreis ist um über einen Euro gesunken. Heute kosten 100 Liter Heizöl im Bundesdurchschnitt 68,38 Euro. Die Ölpreise ziehen nach den gestrigen Verlusten erstmal wieder an, können obgleich der ausstehenden OPEC-Entscheidung aber im Tagesverlauf noch deutlich abfallen, sollte das Ergebnis den Markt enttäuschen. WTI kostet aktuell 66,22 US-Dollar pro Barrel. Brent notiert bei 73,88 US-Dollar pro Barrel.

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