Trump bricht Atomabkommen mit Iran

Mit fest entschlossenen Blick hat US-Präsident Trump gestern Abend den sofortigen Ausstieg verkündet. Die Ölpreise dürfte das weiter befeuern.

09.05.2018 | Robby Erkmann

Nach langen Spekulationen ist nun endlich Klarheit geschaffen worden, wie der Kurs der USA gegenüber dem Iran aussehen wird. Wirtschaftspolitisch schafft dies mehr Unsicherheiten, nicht nur für die Beziehung zwischen dem Iran und den USA, sondern auch für den gesamten Nahen Osten. Dabei ist das Wirtschaftswachstum bisher unerwartet stark und ist, neben der Iranpolitik der USA, ein maßgeblicher Grund für die andauernden soliden Rohölkurse. Ein sich nun abschwächendes Wirtschaftswachstum, würde auch die Nachfrage nach Rohöl verringern. Der Effekt dieser Entscheidung ist dennoch eindeutig bullish. Bei den verhängten Wirtschaftssanktionen gegenüber den Iran, bevor das Abkommen 2015 in Kraft trat, reduzierte sich die Erdölförderung des Landes über mehrere Jahre hinweg um etwa 1 Mio. B/T. Federführend bei der Ausarbeitung waren seinerzeit die USA, Russland, China, Frankreich Großbritannien und Deutschland.

Kippt das Atomabkommen nun ganz?

Zwar verlassen die USA den Vertrag, damit ist jedoch nicht gesagt, dass auch die restlichen Staaten von Board springen. So haben die europäischen Mitglieder des Vertrages stets versucht, den Präsidenten Trump umzustimmen, indem weitere verschärfende Zugeständnisse getätigt wurden. Firmen, die in Geschäftskontakten mit dem Iran stehen, werden ohnehin erst in sechs Monaten durch die Entscheidung Trumps betroffen sein. Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer setzen Firmen aus Deutschland im Jahr 2017 Waren im Wert von drei Milliarden US-Dollar ab. Enttäuscht zeigte sich auch der Präsident des Industrieverbandes BDI, da die Aussichten nun eindeutig getrübt seien.

Dass nun auch die verbündeten Staaten der USA das Abkommen panisch verlassen ist wohl eher unwahrscheinlich. Daher kann die Auswirkung auf die Rohölpreise vorerst begrenzt bleiben. So hatte zuletzt der britische Außenminister für eine Fortführung des Abkommens geworben. In Brüssel fand zuletzt ein Treffen ranghoher Vertreter der europäischen Vertragspartner und des iranischen Außenministers statt. Dort erklärte man sich bereit, das Abkommen weiterhin voll zu unterstützen. Diese Aussagen sind nicht hinfällig, in ihrer Umsetzung nun aber schwieriger. Präsident Ruhani erklärte zudem, dass man das Abkommen gerne auch ohne die USA aufrechterhalten würde, sofern dem Iran garantiert wird, dass die Aufhebung von Sanktionen durch die EU bestehen bleiben. Demnach stehen die Chancen gut, dass auch Russland und China einen weg finden, dem Abkommen treu zu bleiben, sodass eine politische Destabilisierung nicht zu einem Flächenbrand auf mehrere Staaten wird.

Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland hat, trotz der Trump Entscheidung keinen Sprung nach oben gemacht. Mit 68,96 Euro pro 100 Liter bleibt der Durchschnittspreis auf hohem Niveau. Die Rohölpreise sind durch die gestrige Entscheidung nochmals gestiegen. Beide Werte liegen heute Morgen im Plus. Ein Barrel der Sorte Brent kostet aktuell 76,62 US-Dollar. WTI kostet im Moment pro Barrel 70,58 US-Dollar.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation