Trump hausgemachtes Ölproblem

Trump äußert seinen Unmut über das Ölkartell immer wieder bei Twitter. Letztendlich ist er für den letzten Preisanstieg größtenteils mitverantwortlich.

29.06.2018 | Robby Erkmann

Denn die Forderung von Dienstag, die iranische Rohölförderung auf Null zu setzen, hat den Preisen an den Börsen neuen Schub verliehen. Die Nordseesorte Brent hat seitdem um fast 4 US-Dollar pro Barrel zugenommen. Für Experten bleibt ungewiss, welche Staaten der USA treu sind und wer eventuell auf Konfrontationskurs geht. Der Iran fördert immerhin 2,5 Mio. Barrel pro Tag. Ein kompletter Exportstopp hätte dramatische Folgen für den Ölpreis, so Experten der Commerzbank. Wichtige Handelspartner sind China und Indien, die jeweils fast ein Drittel der Ölproduktion abnehmen. Die EU sorgt für etwa ein Viertel der Abnahmemenge. Die EU wird sich an dem Ölembargo der USA halten. Indien hatte zuletzt angekündigt, dem Vorhaben der USA zu Folgen. China wird wohl weniger auf US-Forderung eingehen, sowie die Türkei, die ebenfalls Widerstand angekündigt hatte. So wolle sich die Türkei nur an die Sanktionen halten, sofern die UN die Entscheidung der USA unterstütze. Der türkische Wirtschaftsminister kündigte an, dass man versuchen werde dem Iran in dieser Angelegenheit zu unterstützen.

Markt weiterhin unterversorgt

Die Anpassung der Fördermengen der OPEC sollte die Preise fallen lassen und die Unterversorgung am Markt stoppen. Bis Ende des Jahres besteht die Aussicht, dass das Kartell die Förderung um 1,0 Mio. B/T anhebt. Doch das kann die Preissteigerungen am Ölmarkt aktuell nicht verhindern. Die Analyse der US Großbank Morgan Stanley zeigt, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres der Ölmarkt mit 300.000 B/T unterversorgt war. Dabei schätzt die Bank, dass die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte um etwa 1,0 bis 1,5 Mio. B/T anziehen wird. Diese Entwicklung und die fallende Ölförderung in Venezuela und dem Iran stehen niedrigeren Ölpreisen aktuell im Wege.

Selbst wenn die aktuellen Förderausfälle in Kanada, Kasachstan und Libyen behoben sein werden, wird der Ölpreis wenig Luft nach unten haben. Eine bessere Versorgungslage darf daher kurzfristig nicht erwartet werden. Daher versucht die USA ihr hausgemachtes Problem zu lösen, indem eine Delegation in den Nahen Osten entsandt wird, die verhandeln soll, dass die Ölversorgung nicht zu knapp wird. Denn der mangelhafte Ausbau der US-Ölinfrastruktur bremst das eigene Wachstum der Ölindustrie aus. Die US-Rohölförderung stagniert aktuell bei 10,9 Mio. Barrel pro Tag.

Wenig verändert und damit auf hohem Niveau sind die heutigen Rohölnotierungen. Brent kostet im Augenblick 77,86 US-Dollar pro Barrel. WTI wird zurzeit für 73,1 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute leicht höher zu gestern bei 70,89 Euro pro 100 Liter.

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