Überschätzte Preisrallye

Die Ölpreise sind bis Anfang Oktober, durch die Angst der Unterversorgung im Zuge der Iransanktionen, zu Unrecht so stark angestiegen. Hier eine Analyse.

19.11.2018 | Robby Erkmann

Mit Beginn der Wirtschaftssanktionen, die einseitig durch die USA durchgesetzt wurden, war die Rhetorik Trumps extrem scharf. Seinen Worten hat er im Nachhinein nicht Folge geleistet. Seinerzeit Sprach Trump davon, die iranische Rohölausfuhren auf null reduzieren zu wollen und keine Ausnahmen zuzulassen. Im Rückblick kam es ganz anders. Alle großen Ölabnehmer des Irans haben Ausnahmegenehmigungen erhalten, sodass die Rohölförderung des Irans auf dem Niveau der letzten Wochen geblieben ist, selbst nachdem die Sanktionen gegen die Ölindustrie am 4. November begonnen haben. Der Markt hatte somit eine deutlichere Verknappung der Rohölversorgung eingepreist und wurde dann enttäuscht.
Doch auch die schwache Wirtschaftslage, vornehmlich in den Schwellenländern, hat ihr selbiges dazu getan, sodass die Ausblicke für die Ölnachfrage in den Monatsreports von OPEC und IEA deutlich bearisher wurden. So kam es, dass es keine Unterversorgung am Markt gibt und für das kommende Jahr auch keine Unterversorgung befürchtet wird. Aufgrund der nun stabilen Versorgungslage rutschten die Ölpreise nach und nach in den Keller, aus dem sie bis jetzt nicht rauskommen.

OPEC-Ankündigung verpufft

Nun dringen natürlich Nachrichten durch, dass die OPEC werde den Markt wieder ins Gleichgewicht bringen. Bisher sind die Ölpreise aber nicht signifikant gestiegen. Das OPEC-Meeting in Wien Anfang Dezember könnte zwar neue Kürzungen bringen, sicher ist das noch nicht. Saudi-Arabien koppelt seine Entscheidungen gerne an Russland. Doch Russland, um den Energieminister Nowak, ist bisher wenig angetan die Ölförderung zu verknappen und Marktanteile zu verlieren. Das gilt auch für OPEC-Mitglieder, wie dem Iran oder die V.A.E. Die irakische Zentralregierung in Bagdad hat sich, laut neusten Berichten, mit der Region Kurdistan auf die Einnahmeverteilung aus den Ölexporten geeinigt. Damit wird in dieser Region eine Menge von etwa 300.000 B/T Rohöl frei, die wieder dem Weltmarkt zur Verfügung steht. Die Kürzungen, die bisher im Raum stehen, haben die Entwicklung nicht berücksichtigt. Zumal die weiter steigende Rohölförderung in den USA, Brasilien, Kanada und anderen Ländern ohnehin nicht aufgehalten werden kann.

Es kann daher möglich sein, dass die Ölpreise vorläufig auf dem niedrigen Niveau bleiben. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist weiter im freien Fall. Nach dem rasanten Anstieg dürfte das viele Verbraucher entgegenkommen, da die Temperaturen in Deutschland deutlich abfallen sollen. Heute kosten 100 Liter Heizöl im Bundesdurchschnitt 81,09 Euro. Dienstag letzter Woche lagen der Durchschnittpreis noch acht Euro höher. Brent kostet im Moment 67,19 US-Dollar pro Barrel. WTI wird für 56,99 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Beide Werte sind leicht teurer, als zu Tagesbeginn.

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