US-Kälteeinbruch stützt Preisniveau

Durch die Wiederinbetriebnahme der Forties Pipeline in der Nordsee sollten die Ölnotierungen unter Druck geraten, doch der US-Winter überrascht den Markt.

02.01.2018 | Robby Erkmann

Die Temperaturen in den USA gingen teilweise weit unter -30 Grad Celsius. Die Gaspreise und die Ölpreise sind seitdem deutlich gestiegen. Für den östlichen Teil der USA, der besonders stark betroffen ist, melden die Medien einen Anstieg der Ölnachfrage von 400 Prozent. Die Kunden kaufen aktuell auf Vorrat und sorgen so für einen enormen Nachfrageschub. Die Wettervorhersagen sagen zum Teil noch tiefere Temperaturen voraus. Demnach bleiben die Temperaturen teilweise die erste Januarhälfte so extrem niedrig. Daher kann die aktuelle Situation noch brenzliger werden. In der Vergangenheit sind in den USA schon Pipelines die Öl- und Gasprodukte transportieren, eingefroren. Dies könnte auch bei den aktuellen Wetterbedingungen passieren, denn die Heizungen der Pipelinesysteme sind störanfällig oder nicht für so niedrige Temperaturen ausgelegt. Somit kann die Verfügbarkeit der Produkte gestört werden und für Engpässe sorgen. Gleichzeitig wäre es möglich, dass Raffinerien die Produktion drosseln müssen, da der Transport über die Pipelines nur zögerlich vorangeht. Über Neujahr war der Handel an den Börsen ausgesetzt. Börsianer sind nun sehr vorsichtig und warten gespannt auf den Handelsstart 2018.

Politische Unruhen im Iran

Die Protestwelle im Iran hat sich sehr schnell auf das ganze Land und über 50 Städte ausgeweitet. Demonstriert wird wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage, die sich trotz aller Versprechungen nicht signifikant verbessert hat. Präsident Rouhani hat durch den Atomdeal und steigenden Öleinnahmen, zwar mehr Spielraum und etwas Luft bekommen, doch die zusätzlichen Gelder kommen bei der gemeinen Bevölkerung nicht an. Die nun vor allem junge Bevölkerung des Iran sorgt so für die größten Proteste seit 2009. Damals war aufgrund des zweifelhaften Wahlergebnisses demonstriert worden. Die jetzige Lage ist weitaus komplizierter und nicht spontan lösbar, da es strukturelle Probleme im Staatsapparat sind. Eine unabhängige Berichterstattung gibt es im Iran seit Jahren nicht mehr, da der Staat weite Teile der Medien beeinflusst. Insofern ist es komplizierter verlässliche Informationen über die Lage zu erlangen. Aktuelle Meldungen sprechen von bisher 12 Todesopfern auf Demonstrantenseite und einen getöteten Polizisten. Die jetzt entbrannten Unruhen sind für die Ölpreise an den Börsen klar bullish. Der Iran ist der drittgrößte Ölproduzent der OPEC und fördert im Augenblick ungefähr 3,8 Mio. B/T Rohöl. Die Vergangenheit zeigte oftmals, dass politische Unruhen, die Ölförderung des entsprechenden Landes, stark beeinflussen können, weshalb Börsianer auch hier eine Risikoprämie am Markt einpreisen dürften.

So startet das Jahr 2018 an den Ölbörsen mit stützenden Nachrichten und ein abrutschen der Preise bleibt weiter aus, obwohl viele Experten genau dies seit einigen Wochen erwarten. Deutlich oberhalb der Einstiegskurse liegen heute Morgen die Preise der Sorte WTI und Brent. WTI kostet nunmehr 60,58 US-Dollar pro Barrel. Brent wird augenblicklich für 67,08 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Der durchschnittliche Heizölpreis zieht entsprechend der Ölpreise ebenfalls weiter an und liegt heute mit 63,96 Euro pro 100 Liter fast bei 64 Euro.

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