Welthandel macht Sorge

Die Wirtschaftssanktionen der USA gegenüber Europa und China sind im vollen Gange. Die Ölnachfrage kann dadurch maßgeblich reduziert werden.

26.06.2018 | Robby Erkmann

Die ersten Analysten und Banken nehmen nun Stellung zum der Ergebnis des OPEC-Mettings in Wien am Freitag. Die Investmentbank Jefferies schätzt den Preis für ein Barrel Brent auf über 80 US-Dollar. Die Bank of America Merrill Lynch sieht die Bedingungen am Markt ebenfalls bullish. Für nächstes Jahr sind laut den Analysten der Bank sogar Preise von 90 US-Dollar pro Barrel möglich. Doch die Analysten sehen die Entwicklung bei den Zöllen mit großen Sorgen an. So schätzt die Bank of America Merrill Lynch, dass die Ölnachfrage für jedes Prozent weniger Handelsvolumen, um 44.000 B/T abnimmt. Dieser Faktor kann die nächsten Monate die knappe Versorgungslage mit Öl deutlich entspannen. Eine Lösung im weltweiten Handelsstreit ist aktuell nicht in Sicht, weshalb das Wirtschaftswachstum weiter ausgebremst werden kann.

Die US-Großbank Goldman Sachs sieht den Markt dagegen weniger bullish. Hauseigener Analyst Brian Singer erwartet den Preis für Brent in einer Spanne von 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel. Diese Einschätzung gilt auch für das komplette Jahr 2019. Laut Singer wird die wachsende US-Rohölförderung die weltweiten Ölbestände nicht steigen lassen können. So werden die Bestände weiter auf dem aktuellen Niveau bleiben, ohne größere Veränderungen.

Weitere Produktionsausfälle

In Kanada musste das Unternehmen Syncrude Canada die Produktion an eine ihrer Anlagen einstellen. Betroffen ist die Anlage in Fort McMurray, die aufgrund eines Stromausfalles wohl den gesamten Monat Juli stillgelegt bleiben muss. In der Anlage wird leichtes Rohöl aus Ölsand gewonnen, die eine Kapazität von 360.000 B/T aufweist. Da der größte Abnehmer von kanadischen Rohöl die USA sind, wird vor allem der Preis für WTI gestützt.

Hinzu kommt, dass die Situation in Libyen weiter angespannt bleibt. Die Ölhäfen in Ras Lanuf und Es Sider wurden von der libyschen Armee zurückerobert. Doch der zuständige General hat die Kontrolle der Ölhäfen an die National Oil Company aus Benghazi übergeben. Rechtlich zuständig kann aber nur die NOC in Tripolis sein. Daher können die Exporte der Häfen nicht wiederaufgenommen werden. Firmen, die Handel mit der NOC in Benghazi betreiben, würden sich demnach schadensersatzpflichtig machen. Die Regierung in Tripolis versucht nun die Ölexporte über andere Häfen abzuwickeln, was allerdings nicht gänzlich gelingen wird. Die aktuelle Ölproduktion in Libyen liegt nur noch auf einem Niveau von etwa 500.000 B/T. Vor dem Problem wurde noch 950.000 B/T Rohöl produziert.

Die Rohölpreise sind heute Morgen etwas beständiger und ohne große Kursausschläge. WTI kostet 68,46 US-Dollar pro Barrel. Brent notiert derzeitig bei 74,95 US-Dollar pro Barrel. Weiterhin ohne große Veränderung bleibt der durchschnittliche Heizölpreis. 100 Liter Heizöl kosten heute im Durchschnitt 68,43 Euro.

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