Wie groß ist der Preisdruck?

Bisher ist es nicht sicher, dass die Förderkürzungen beim nächsten OPEC Treffen tatsächlich reduziert werden. Dennoch stehen die Rohölpreise unter Druck.

12.06.2018 | Robby Erkmann

Der erste Konflikt stellt sich schon bei den Staaten ein, die für einen sanften Ausstieg aus den Kürzungen sind. So hat Saudi-Arabien die landeseigene Ölförderung im Mai bereits um 100.000 B/T erhöht. Die gleiche Menge soll wohl auch für den Monat Juni zusätzlich gefördert werden, sodass das saudische Königreich den Markt mit 200.000 B/T mehr Rohöl versorgen würde. Unsicher ist, wie hoch die Produktionssteigerung ausfallen soll. Russland plädiert für eine Anhebung von 800.000 B/T. Das würde bedeuten, dass auch kleinere Staaten einen Teil vom Kuchen abbekommen und die Produktion steigern könnten. Saudi-Arabien spricht dagegen von einer Erhöhung über 300.000 bis 400.000 B/T. Davon würde der Großteil auf die beiden führenden Produzenten, Saudi-Arabien und Russland entfallen. Der Irak, der ebenfalls seine Kapazitäten ausgebaut hat, dürfte davon nicht begeistert sein. Wenngleich es dazu von der Zentralregierung in Bagdad bisher keine Stellungnahme gibt.

Der Iran dagegen, hat offen seinen Unmut über das Vorgehen von Saudi-Arabien geäußert. Der iranische Ölminister Zanganeh ist, laut dessen Kommentar, nicht konform mit möglichen Produktionssteigerungen, die am 22. Juni beschlossen werden sollen. So hat auch der venezolanische mehr Solidarität innerhalb der OPEC gefordert, da sich das Land einer unfairen Behandlung von den USA ausgeliefert sieht. Die USA fordern weiterhin eine Anhebung der Ölproduktion der OPEC von 1,0 Mio. B/T, seitdem die Sanktionen gegen dem Iran wieder aktiv sind. Damit mischt sich die USA direkt in die Entscheidung der OPEC, über mögliche Förderanhebungen ein. Ohnehin sind die OPEC-Mitglieder aktuell nicht auf einen gemeinsamen Konsens, der durch die Äußerungen der USA weiter auseinander getrieben werden kann.

Trump Treffen beruhigt

Das Treffen von US-Präsident Trump mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un ist laut ersten Erkenntnissen sichtlich positiv gelaufen. Trump sprach von einem großartigen Treffen und herausragenden Aussichten auf eine gute Zusammenarbeit. Insgesamt wurde etwa 40 Minuten persönlich miteinander gesprochen und es hat ein gemeinsames Essen stattgefunden. Eine Entspannung der Konfliktsituation um das nordkoreanische Atomwaffenprogramm könnte die Risikoprämien reduzieren und damit die Rohölpreise weiter unter Druck setzen. Das wäre dann ein zweiter wesentlicher Faktor, der gegen steigende Rohölpreise über die Sommermonate hinweg, spricht.

Die Notierungen am heutigen Morgen sind leicht höher und reagieren auf die Neuigkeiten erstmal nicht. WTI kostet aktuell 66,24 US-Dollar pro Barrel. Brent wird für 76,51 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland beträgt heute 69,71 Euro pro 100 Liter.

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