80 US-Dollar im Blick

Die Preisrallye an den Ölbörsen legt im Moment eine Pause ein. Experten sehen über die Sommermonate deutlich höhere Rohölpreise für die Verbraucher.

08.05.2019 | Robby Erkmann

Die Großbank JP Morgan rechnet im laufe des Jahres damit, dass Brent die 80 US-Dollar Marke knackt. Gleiche Meinung teilen auch die Analysten von RBC Capital Markets, die über die Sommermonate einen höheren Brentpreis sehen. Dafür sollen die Verbraucher von einen niedrigeren Ölpreis in den Wintermonaten profitieren. Dann soll der Ölpreis auch durch die infrastrukturelle Entwicklung in den USA unter Druck geraten. Hier werden neue Pipelinesysteme fertiggestellt werden, die die Transportkapazität von den Schieferölgebieten zu den Raffinerien und Exportlagern deutlich erhöhen. Der Iran hatte angekündigt, den Entfall der Ausnahmengenehmigungen für die Rohölexporte zu umgehen. Somit würde der Markt nun weniger stark verknappt werden, als bisher befürchtet. Doch die geopolitischen Risiken steigen dadurch weiter an, was nunmehr wieder eine Risikoprämie nach sich ziehen kann, weshalb der Effekt an den Ölbörsen recht schwach ausfallen wird.

Und auch in der Krise Venezuelas ist kein Ende in Sicht. Der venezolanische Außenminister sprach vorgestern in Moskau zur aktuellen Situation. Dabei warnte er, dass man sich militärische Wehren wird, falls die USA eine Offensive starten. Seiner Ansicht nach geht es den USA nur darum, Zugriff auf die wertvollen Ölreserven zu erhalten, die Venezuela mit allen Mitteln verteidigen wird. Die weltweiten Krisen in mehreren Ölförderstaaten nehmen kein Ende. Zu nennen wäre hier auch noch die angespannte Lage in Libyen.

Wichtige Ereignisse

Doch neben den geopolitischen Instabilitäten sind weitere Ereignisse am Markt sehr wichtig. Ungewiss ist weiterhin das genaue Vorgehen der OPEC und ihrer Förderkürzungen. Hier wird der Markt erst im Juni bei der nächsten Vollversammlung genauere Erkenntnisse erlangen. Insgeheim hoffen Verbraucher natürlich, dass die Kürzungen verringert werden. Russland würde eine Lockerung begrüßen, wohingegen Saudi-Arabien bei einem harten Kurs bleiben würde. Zudem blickt der Markt gespannt in Richtung der Handelsgespräche zwischen China und den USA. Hier zieht sich eine Einigung hin und verunsichert damit das Wirtschaftswachstum. Aus Verbrauchersicht ist das erfreulich, da die Nachfrage nach Rohöl durch ein geringeres Wirtschaftswachstum niedriger bleibt. Andererseits kann mit einer Einigung neues Aufwärtspotential generiert werden. Bis zum Hochsommer, in den Monaten Juli und August, wird wohl Klarheit herrschen. Dann kann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit abgesehen werden, ob die Rohölpreise bis zum Ende des Jahres wirklich moderat bleiben werden.

Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland zeigt im Vergleich zu gestern deutlich nach unten und hat damit auf den Preisverfall der letzten Tage reagiert. 100 Liter Heizöl kosten im Bundesdurchschnitt damit 71,55 Euro. Brent hat heute Morgen die 70 US-Dollar Marke zurückerobert und liegt bei 70,09 US-Dollar pro Barrel. Die amerikanische Sorte WTI kostet im Moment 61,77 US-Dollar pro Barrel.

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