Brenzlige Lage in Libyen

Der Konflikt spitzt sich zu und der Kampf um die Hauptstadt Tripolis hat wohl begonnen. Ein neuer Bürgerkrieg bedroht das Land und die Ölförderung.

08.04.2019 | Robby Erkmann

Gestern Nachmittag wurden die Truppen des Generals Haftar, der die Hauptstadt Tripolis einnehmen will, von der Regierungsarmee aus der Luft angegriffen. Dieser Angriff erfolgte 50 km südlich der Hauptstadt. Offenbar sollen die Truppen Haftars den stillgelegten ehemaligen internationalen Flughafen eingenommen haben. Die Offensive wird wohl fortgesetzt und ein Aufruf zum Dialog, auch von Seiten der UN, bleibt vergebens. Haftar rief zur Offensive auf, als UN-Generalsekretär Guterres in Tripolis war, um Vermittlungsversuche zu unternehmen. Das dann folgende Treffen zwischen Haftar und Guterres brach keinen Fortschritt bei der Konfliktbeilegung. Es werden bereits Gefechte geführt damit Nachschubwege der Regierungsarmee abgeschnitten werden können. Truppen der US-Armee haben sich aufgrund der Entwicklung aus dem Land zurückgezogen. Russland kündigte an, keine Partei bei dem Konflikt zu unterstützen, mahnte aber ein Eingreifen ausländischer Kräfte an.

Tripolis wird nicht kampflos aufgegeben werden. Wie lange der Konflikt anhält ist nicht absehbar. Die Rohölindustrie wird wahrscheinlich darunter leiden. Seit dem Sturz Gaddafis konnte die Rohölförderung nichts mehr auf das seinerzeitige Niveau gebracht werden. Aktuell werden in Libyen etwa 1,3 Mio. B/T gefördert. Das ist für Libyen ein ordentlicher Wert, der sich in den letzten Monaten wieder erholt hatte. Nun droht ein Zusammenbruch. Dieser könnte die Exporte um mehrere Hunderttausend Barrel reduzieren. Für die ohnehin knappe Versorgungslage am Markt waren das am Freitag sehr bullishe Nachrichten, infolgedessen die Rohölpreise am späten Nachmittag stark anstiegen. Daher kann eine Zuspitzung des Konfliktes die Rohölpreise weiter steigen lassen.

Schärfere Sanktionen gegen Venezuela

Auch in Südamerika ist von Entspannung des Konfliktes nicht zu sehen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die USA verschärfen das Vorgehen gegen Venezuela. Zusätzlich 34 Öltanker und zwei Ölfirmen, die Ölhandel mit Kuba betreiben sind in der Sanktionsliste aufgenommen worden. Zeitgleich haben die USA angekündigt, weitere Sanktionen gegen Venezuela vorzubereiten, dann soll auch der Finanzsektor sanktioniert werden. Venezuelas Rohölförderung wird damit weiter unter Druck geraten. Bereits im März wurden nur etwa 700.000 bis 900.000 B/T an Rohöl gefördert. Angesichts der Stromausfälle und des Stillstandes der Verladeterminals können die Ausfuhren nur schwer geschätzt werden.

Insgesamt bleibt die Gesamtkonstellation am Markt nun eindeutig bullish. Dafür ist der neue Konflikt in Libyen verantwortlich. Neue fehlende Rohölmengen kann der Markt nicht abfangen, zumindest nicht, wenn die OPEC-Förderkürzungen weiterhin so strikt eingehalten werden. Der Preis für ein Barrel Brent ist deshalb über die 70 US-Dollar Marke gesprungen und liegt im Moment bei 70,68 US-Dollar. WTI kostet im aktuell 63,37 US-Dollar pro Barrel und entfernt sich immer deutlicher von der 60 US-Dollar Marke. Der Einfluss auf den durchschnittlichen Heizölpreis in Deutschland bleibt noch begrenzt, aber mit steigenden Ölpreisen muss auch hier mit steigenden Preisen gerechnet werden. Heute kosten 100 Liter Heizöl im Bundesdurchschnitt 69,86 Euro.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation