Herausforderung für den europäischen Ölmarkt

In den nächsten Tagen sieht sich der europäische Markt mit einem Versorgungsausfall konfrontiert, da weniger Öl aus Russland kommt.

26.04.2019 | Franziska Berg

 

Die Rohölpreise werden heute voraussichtlich im Bereich ihrer Jahreshochs ins Wochenende gehen. Gleich zu Wochenbeginn stellten sie neue Jahresrekorde auf. Beide Referenzsorten bewegten sich auf dem höchsten Niveau seit einem halben Jahr, WTI bei über 65 US-Dollar und Brent bei über 74 US-Dollar. Auslöser der Preisrallye war die Ankündigung des Weißen Hauses, die Iransanktionen zu verschärfen. Die USA werden die im Mai auslaufenden Ausnahmeregelungen für acht Staaten nicht verlängern. Für den internationalen Ölmarkt ist die verstärkte Durchsetzung ein Risikofaktor, der einen weiteren Einbruch iranischer Ölexporte nach sich ziehen könnte. Allerdings ist davon auszugehen, dass einige Staaten ungeachtet drohender Sanktionen auch künftig iranisches Öl kaufen werden. So hatten beispielsweise China und die Türkei das Ende der Ausnahmegenehmigung heftig kritisiert. Das Spannungsfeld zwischen verknappter Verfügbarkeit und ungewisser Marktentwicklung bleibt somit bestehen.

 

Hunderttausende Barrel russischen Öls gestoppt

 

Während die OPEC-Produktionskürzungen die internationale Marktsituation bereits merklich verknappen, könnte sich die Lage in Europa zuspitzen. Am Mittwochabend wurde der Öltransport über die durch Weißrussland verlaufende Druschba-Pipeline eingestellt. Hierüber gelangen für gewöhnlich täglich 700.000 Barrel aus Russland nach Polen und von dort aus in den Rest Europas. Polen hatte den Bezug russischen Öls aus der Druschba-Pipeline gestoppt, da Verunreinigungen im Öl gefunden worden waren. Medienberichten zufolge war ein zu hoher Chloridanteil der Grund für die Bemängelung der Qualität. Ging man am Markt zunächst von einer längerfristigen Unterbrechung der Ölversorgung über die Druschba-Pipeline aus, erweist sich die Lage inzwischen als weitaus weniger angespannt als angenommen. Zwar werden dem europäischen Markt hunderttausende Barrel von diesem Transportweg fehlen. Doch der Transportstopp wird voraussichtlich nur bis Montag andauern und bis dahin mit Hilfe von Lagervorräten ausgeglichen. Mit Engpässen ist laut dem russischen Pipeline-Betreiber Rosneft nicht zu rechnen.

Die Impulslage erweist sich aktuell als ausgeglichen. Auf der einen Seite stehen OPEC-Produktionskürzungen, geopolitische Risikofaktoren und Produktionsausfälle in Libyen, Iran und Venezuela. Auf der anderen Seite stehen volle US-Öllager und eine mögliche Anhebung des OPEC-Outputs. Vor diesem Hintergrund besteht für die Ölpreise zunächst kein weiteres Aufwärtspotenzial und ihre Rallye ist für den Moment beendet. Am Morgen tendieren die Rohölpreise nahe ihrer Jahreshochs seitwärts, während die Heizölpreise etwas zulegen. WTI wird bei 64,96 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 74,27 US-Dollar. Die Heizölpreise sind im Vergleich zum Vortag indes gestiegen und stellen heute einen neuen Jahresrekord auf. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl 72,45 Euro und damit so viel wie seit Anfang Dezember 2018 nicht mehr.

 

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