Kommt die Trendwende noch?

Für die zweite Jahreshälfte wurden bisher sinkende Rohölpreise prognostiziert. Doch ist das angesichts der knappen Versorgungslage noch möglich?

10.04.2019 | Robby Erkmann

Zumindest scheint Russland genug von der Ölpreisrallye zu haben und würde sich mit dem aktuellen Niveau zufriedengeben. Im Gegenteil dazu kann der Rohölpreis für viele OPEC-Länder kaum hoch genug sein, damit die Staatskasse nicht leer sind. Offiziell begnügt sich Saudi-Arabien mit einem Preisniveau von 80 US-Dollar. Dabei ist von einer zunehmenden Zufriedenheit bei den Saudis nichts zu merken. Der russische Präsident Putin betonte gestern, dass alles Handeln auf eine positive Beeinflussung der russischen Wirtschaft abziele. Einen ungehemmten Ölpreisanstieg wolle man aber nicht unterstützen, so Putin. Zwar ist der Öl- und Gassektor immens wichtig für Russland, doch aktuell ist man recht zufrieden mit dem Preisniveau, ließ Putin verlauten. Er betonte dabei, die steigende US-Rohölförderung genau zu beobachten. Zu dem weiteren Handeln der OPEC in der zweiten Jahreshälfte konnte Putin keinen genauen Ausblick nennen. Dennoch, das Wort Russlands hat für die weitere Strategie an der einen oder anderen Stelle Gewicht. Daher ist die aktuelle Haltung Russland etwas beruhigend für die Marktteilnehmer, die mit weiteren Preisanstiegen rechnen.

Die Großbank Goldman sieht Brent im 2. Quartal durchschnittlich bei 72,50 US-Dollar pro Barrel. Das ist eine Anhebung der Prognose um 7,50 US-Dollar. Gleichzeitig bleibt die Bank davon überzeugt, dass sich in der zweiten Jahreshälfte eine verbesserte Versorgung mit Rohöl am Markt etabliert. Dafür ist es aber wichtig, dass die Unterversorgung nicht zu groß wird. Erhebliche Fördereinbußen in Libyen können die USA sicherlich nicht auffangen. Dazu bräuchte es die Unterstützung der OPEC, aber die befürwortet bekanntlich eine andere Konstellation. Eine verbesserte Versorgungslage in der zweiten Jahreshälfte ist mit dem heutigen Kenntnisstand längst nicht mehr so sicher, wie noch vor zwei Wochen.

5-Monatshoch erreicht

Im Zuge der dramatisch schlechteren innenpolitischen Stabilität in Libyen sind die Rohölpreise auf ein neues 5-Monatshoch geklettert. Im Oktober des letzten Jahres lag der Preis für ein Barrel Brent streckenweise noch bei 86 US-Dollar. Bis zu den Weihnachtsfeiertagen 2018 brach der Ölpreis für Brent dann auf etwa 50 US-Dollar ein. Nun liegt die Sorte Brent wieder bei über 70 US-Dollar und hat einiges an Boden gut gemacht. Gleiche Konstellation gilt auch für die Sorte WTI. Im Moment ist das einzig Positive, die Erwartung des IWFs, dass das Wirtschaftswachstum nur noch um 3,3 Prozent, anstatt um 3,5 Prozent zulegen. Das geringere Wachstum verringert den zukünftigen Rohölbedarf.

Insgesamt betrachtend, kann der Markt erst zur Ruhe kommen, wenn die geopolitischen Krisen abnehmen und Lösungen gefunden werden oder die Rohölförderung deutlich zunimmt. Brent kostet heute Morgen 70,76 US-Dollar pro Barrel und die Sorte WTI liegt bei 64,20 US-Dollar pro Barrel. Beide Notierungen konnten gestern den Trend nach oben nicht fortsetzten. Das hatte auch Einfluss auf den durchschnittlichen Heizölpreis in Deutschland. Dieser ist leicht günstiger als gestern, liegt aber weiterhin oberhalb der 70 Euro, bei 70,82 Euro pro 100 Liter.

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