Libyen rückt wieder in den Marktfokus

Der Machtkonflikt in Libyen war bereits eingepreist. Doch jetzt weitet er sich aus, nimmt die Ölindustrie ins Visier und bedroht die Verfügbarkeit.

30.04.2019 | Franziska Berg

 

Gestern wurde das größte Ölfeld Libyens zum Schauplatz von Kämpfen. Unbekannte griffen das Sharara-Ölfeld an und feuerten Panzerabwehrraketen auf das Gelände. Die libysche National Oil Corporation (NOC) verurteilte den Angriff und warnte vor den Folgen. Zwar seien weder Mitarbeiter verletzt noch die Ölproduktion beeinträchtigt worden. Doch laut NOC sind die Kämpfe auf dem Sharara-Ölfeld eine Bedrohung für Ölgeschäft, Produktion und die libysche Wirtschaft. Das größte Ölfeld des OPEC-Mitglieds bringt täglich mindestens 315.000 Barrel auf den Markt. Sollte es hier zu Produktionsunterbrechungen oder –ausfällen kommen, würde sich die internationale Verfügbarkeit zusätzlich verknappen. Bislang ist unbekannt, wer den Angriff auf das Sharara-Ölfeld initiiert hat. Vermutlich besteht aber ein Zusammenhang zu dem eskalierenden Konflikt zwischen international anerkannter Regierung in Tripolis und General Haftars Libyan National Army.

 

Angespannte Marktsituation

Die Verfügbarkeitslage bleibt angespannt. Produktionskürzungen der OPEC und unsichere Produktionsaussichten in Venezuela, Libyen und Iran begünstigen einen knappen Markt. Zudem verlangsamt sich das Wachstum der US-Ölindustrie kontinuierlich. Seit Jahresbeginn ist die Zahl aktiver Ölbohranlagen US-weit zurückgegangen. In der vergangenen Woche verzeichnete Baker Hughes einen Rückgang um weitere 20 Anlagen. Damit seien insgesamt noch 805 US-Ölbohranlagen aktiv. Für die weitere Marktentwicklung wird der bevorstehende Mai entscheidend sein. Schließlich laufen die Ausnahmeregelungen der USA aus, was den Einbruch iranischer Ölexporte nach sich ziehen könnte. Zu beobachten ist, wie viele der acht bislang sanktionsgeschützten Staaten auch ungeachtet drohender US-Sanktionen in Zukunft Öl aus dem Iran beziehen werden.

 

OPEC dementiert Absprache

Am Freitag sorgte ein Tweet des US-Präsidenten für Verwirrung, in dem Donald Trump eine Produktionsabsprache mit der OPEC andeutete. Er habe mit Saudi-Arabien und anderen gesprochen und man sei sich über eine Anhebung der Produktion einig. Kartellvertreter bestritten eine solche Abstimmung jetzt. Obwohl unabhängig von einer Absprache von künftigen Produktionssteigerungen auszugehen ist, tendieren die Rohölpreise am Morgen aufwärts. Gestützt von den Kämpfen in Libyen, gehen die Referenzsorten über ihre Schlusskurse vom Freitag hinaus. WTI wird bei 63,74 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 72,27 US-Dollar kostet. Noch am Freitag haben die Heizölpreise bei mehr als 72 Euro einen Jahresrekord aufgestellt. Auf dieses Niveau haben sie inzwischen 1,20 Euro verloren. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 71,23 Euro. Damit beenden die Roh- und Heizölpreise den April auf Zweiwochentiefs.

 

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