Naher Osten bleibt Pulverfass

Mit den gestrigen Preisanstieg haben die Rohölpreise auf die gefährliche Lage um den Persischen Golf reagiert. Die Ängste in der Region wachsen täglich.

16.05.2019 | Robby Erkmann

Die USA haben mittlerweile auch eine B52 Bomber-Staffel in die Region verlegt. Zudem wurde Anfang Mai der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in die Gewässer beordert. Nun drohen die USA damit weitere 120.000 US-Soldaten in die Region zu schicken. Verwirrenderweise erklärte Trump, sofern ein militärisches Eingreifen geplant sei, würde man viel mehr Truppen dorthin verlegen, daher sei eine Militäroperation nicht geplant. Gleichen Tenor schlug auch US-Außenminister Pompeo ein, der von einem Treffen mit dem russischen Amtskollegen kam. Der raue Ton und das harsche Vorgehen zeigen einmal mehr, wie stark die Auswirkungen des Regierungsumbaus unter Trump sind. An den wichtigen Stellen sitzen Hardliner, die den Kurs gegen den Iran deutlich verschärft haben und damit auch die weltweiten Ölbörsen in Aufruhe halten.

Einzig der US-Handelsstreit hat bearishen Einfluss auf die Rohölpreise und verhindert im Moment noch, dass Verbraucher mit deutlichen Preisanstiegen zu rechnen haben. Angesichts der momentanen Lage liegen die Rohölpreise nach den gestrigen Anstiegen, auch heute Morgen im Plus. Die US-Sorte WTI kostet 62,36 US-Dollar pro Barrel und notiert etwa 0,4 Prozent höher. Die Nordseesorte Brent liegt bei 72,12 US-Dollar pro Barrel und kostet heute Früh ungefähr 0,25 Prozent mehr. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt derzeit bei 72,04 Euro pro 100 Liter und ist seit Wochenbeginn ziemlich nervös, da die tägliche Schwankung ziemlich hoch ist.

Parallelen zum Golfkrieg

Die USA werfen dem Iran vor, das Atomabkommen zu missachten und wieder an dem Bau von Nuklearwaffen zu arbeiten. Die Verlegung von 120.000 Soldaten in den Region käme zahlenmäßig dem Beginn des US-Einmarsches in den Irak 2003 gleich, so die New York Times. Seinerzeit hatte George W. Bush verbreiten lassen, dass der Irak unter Saddam Hussein Chemiewaffen besitze und damit einen Einmarsch gerechtfertigt. Tatsächlich wurden nie Chemiewaffen gefunden. Journalisten fanden anschließend heraus, dass systematisch Falschmeldungen verbreitet wurden. Das jetzige Szenario ist sehr ähnlich.
Die USA behaupten immer wieder die Missachtung des Atomabkommens seitens des Irans. Die Internationale Atomenergiebehörde hat in den Quartalsuntersuchungsberichten nie von Mängel berichtet und dem Iran ein einwandfreies Verhalten attestiert. Zudem behauptet der US-Außenminister, dass iranische Revolutionsgarden Anschläge vorbereiten. Dieser Aussage widersprechen EU-Diplomaten, da es keine Beweise für ein solches Handeln gibt. Die Lage spannt sich immer weiter an. Ein Funke reicht und es kann zu einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung kommen, was die Rohölförderung der Region stark gefährden würde.

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