Ölpreise zwischen Irankonflikt und Nachfragesorge

Ein weiterer Handelstag ohne Bewegung am Ölmarkt. Die Rohölpreise bleiben im Seitwärtstrend, zwischen geopolitischem Konflikt und Handelsstreitigkeiten.

18.06.2019 | Franziska Berg

 

Der Handelsstreit zwischen den USA und China dauert bereits seit Monaten an. Eine Einigung ist zuletzt immer weiter in die Ferne gerückt. Beide Parteien führten regelmäßig zusätzliche Strafzölle auf Importgüter des anderen ein. Die Sanktionsspirale wirkt beunruhigend auf die Finanz- und Rohstoffmärkte, begünstigt sie doch die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Hiervon bleibt auch die Ölnachfrage nicht unberührt. Neben der OPEC haben auch die International Energy Agency und die Energy Information Administration in diesen Tagen ihre Nachfrageprognosen nach unten korrigiert. Sowohl 2019 als auch 2020 werde die weltweite Ölnachfrage langsamer wachsen als ursprünglich angenommen. Ab Herbst könnte das Angebot die Nachfrage sogar deutlich übersteigen. Entsprechend interpretierten Marktteilnehmer bullish, dass ein Handelsstreit zwischen den USA und Mexiko vor Kurzem abgewendet werden konnte. Doch nun ist ein neuer Disput aufgekommen, zwischen den USA und Indien.

 

Indien belegt US-Produkte mit Strafzöllen

Am Wochenende hat Indien zusätzliche Zölle auf US-Importgüter eingeführt. Seit dem 15. Juni fallen höhere Einfuhrzölle auf 28 US-amerikanische Produkte an. Betroffen sind insbesondere Lebensmittel, darunter Äpfel, Walnüsse und Mandeln. Mit der Zollerhöhung reagiert Indien auf den Ausschluss aus einem US-Handelsprogramm. Zum 5. Juni hatten die USA bewirkt, dass Indien keine handelspolitischen Sondervergünstigungen mehr erhält. Zuvor konnten indische Waren im Wert von mehr als fünf Milliarden US-Dollar zollfrei in die USA einführen. Diese Regelung war Teil eines US-Handelsprogramms für Entwicklungsländer. Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump gewährt Indien selbst jedoch keinen gerechten Marktzugang für US-Güter, hat jüngst zudem die Regeln für ausländische Onlinehändler und Kreditkartenunternehmen verschärft. Die USA zeigten sich für Gespräche mit Indien offen.

Nach wie vor sind Handelsstreitigkeiten ein bedeutender Aspekt bei der Ölpreisbildung. Sie verstärken die Sorge vor einer schwächelnden Weltwirtschaft und einem Einbruch der Ölnachfrage. Dennoch brechen die Rohölpreise auch heute zunächst nicht aus ihrem Seitwärtstrend aus, weder nach oben noch nach unten. Das Spannungsfeld zwischen Nachfragesorgen und geopolitischen Konflikten begrenzt den Bewegungsspielraum. Doch der bullishe Einfluss der Öltankerangriffe im Golf von Oman ist inzwischen verflogen, wirkt nur noch leicht preisstützend. Am Morgen tendieren die Rohölpreise daher seitwärts, bei bestehendem Abwärtspotenzial. WTI wird bei 51,55 US-Dollar gehandelt, während ein Barrel der Nordseesorte Brent 60,33 US-Dollar kostet. Wenig Veränderung gibt es auch bei den Heizölpreisen. Im Vergleich zum Vortag haben sie nur um wenige Cent nachgegeben, verbleiben damit auf Zweiwochenhochs. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 67,05 Euro.

 

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