Ölprognosen bleiben pessimistisch

Die Preiserwartung für das kommende Jahr hält den Rohölpreis stabil. Das entspricht nicht den Wünschen der OPEC, allen voran Saudi-Arabiens.

13.12.2019 | Robby Erkmann

Das Förderabkommen der OPEC, welches vor genau einer Woche um 500.000 B/T verstärkt wurde und so den Markt deutlicher verknappt, konnte diese Woche keine Preisrallye auslösen. Dabei ist es vor allem Saudi-Arabien, die nun einen stabilen bzw. hohen Ölpreis besonders benötigen. Am Mittwoch kam es zur Notierung von 1,5 Prozent der Anteile des staatlichen Ölkonzern Saudi-Aramco an der Börse. Dies war der größte Börsengang der Geschichte. Nunmehr benötigt die saudische Regierung einen angemessenen Ölpreis, da die Gewinne des Konzerns vollends von den Ölpreisen abhängig sind. Denn hierdurch soll auch der Umbau der Wirtschaft finanziert werden, die weniger abhängig vom Rohöl sein soll. Tatsächlich hat Saudi-Arabien das einst ausgewiesene Ziel, den Ölpreis auf ein Niveau von 80 US-Dollar zu bringen deutlich verfehlt. Daher wundert es fast, dass Aramco nun an die Börse gebracht wurde. Andererseits kann dies auch dafür sprechen, dass die saudische Regierung in Zukunft nicht von steigen Ölpreisen ausgeht oder zumindest dem Ölpreisniveau, das man sich einstweilen gewünscht hatte.

Grundsätzlich hat sich an der Marktkonstellation nicht viel verändert. Dies wird wohl erst der Fall sein, wenn die USA und China tatsächlich ein erstes Phase-Eins-Abkommen unterzeichnen. Die Zeichen stehen dafür aktuell gut die USA haben erstmalig angeboten, bestehende Strafzölle zu reduzieren. Dies war bisher kategorisch abgelehnt worden, gehörte von chinesischer Seite jedoch zur Bedingung zur weiteren Fortführung der Gespräche für ein Abkommen. Ein Abkommen würde wohl die Rohölnachfrage und die Weltwirtschaft beflügeln und so das Preisniveau anheben.

Prognosen in bearisher Erwartung

Die IEA Prognose hat im letzten Monatsbericht auch die neuen Kürzungen der OPEC berücksichtigt. Die Prognose für die Rohölförderung außerhalb der OPEC wurde nach unten korrigiert. Dennoch wird das Förderwachstum 2,1 Mio. B/T betragen und so das Nachfragewachstum von prognostizierten 0,9 Mio. B/T übertreffen. Daher wird es auch bei einer Überversorgung des Marktes für die erste Jahreshälfte bleiben. Zu Prognosen zur zweiten Jahreshälfte gibt es derweil keine Aussichten von IEA oder der EIA. Jedenfalls soll die Überversorgung in der ersten Jahreshälfte bei rund 0,7 bis 1,0 Mio. B/T liegen. Der Monatsbericht der OPEC sollte dabei einer skeptischen Betrachtung unterliegen. Dieser geht von einer Unterversorgung im Jahr 2020 aus, nachdem das Abkommen letzte Woche um 500.000 B/T ausgeweitet wurde. Diese Aussicht scheint aber zu pessimistisch zu sein, zumal das aktuelle Förderniveau nur bis März 2020 läuft. Zusammenfassend wird es mit dem jetzigen Wissensstand keine Preisrallye zum Jahresende geben.

Brent kostet im Moment 64,64 US-Dollar pro Barrel und die Sorte WTI notiert aktuell bei 59,50 US-Dollar pro Barrel. Beide Notierungen liegen leicht oberhalb der Einstandskurse. Mit 68,30 Euro pro 100 Liter liegt der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ebenfalls höher als gestern.

 

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