OPEC-Deal überzeugt nicht

Die letzte Woche hat gezeigt, dass die Ölpreise wenig Aufwärtspotential haben. Dies liegt an strukturellen Problemen der OPEC, trotz Kürzungsanhebung.

16.12.2019 | Robby Erkmann

Schon während des Treffens stand ein anderes Ereignis ebenfalls deutlich im Blickfeld der Marktbeobachter. Es war der Börsengang des saudischen Staatskonzern Aramco. Saudi-Arabien war und ist deshalb immer wieder dazu bewegt die anderen OPEC-Staaten zu einer stringenteren Einhaltung der Kürzungen zu bewegen. Dabei ist das vordergründige Ziel der OPEC nicht, die eigene Ölförderung möglichst stark für eine Preisstabilisierung zu reduzieren. Denn Aramco ist nach den Börsengang mehr denn je auf eine auskömmliche Ölförderung und einem auskömmlichen Rohölpreis angewiesen. Das offenbart zugleich den Interessenkonflikt der saudischen Staatsführung in den Verhandlungen mit den OPEC-Mitgliedern.

Daher waren die Äußerungen nach den Treffen im Grunde nicht so preisstützend, wie es sich auf anhörte. Saudi-Arabien wolle 400.000 B/T zusätzlich vom Markt nehmen, sofern alle anderen Staaten ihre Ziele einhalten. Dies ist der erste Hacken an der Sache, denn einige Mitgliedern sind sehr unzuverlässig bei der Einhaltung der Quoten. Andererseits ist das neue freiwillige Förderniveau der OPEC mit 9,744 Mio. B/T nur um 5.000 B/T gering, als die Durchschnittsförderung der letzten neun Monate. Damit wird der Markt bei Einhaltung gar nicht um weitere 400.000 B/T verknappt. Vielmehr bleibt das Förderniveau der Vormonate eher konstant und schon das konnte die Ölpreise nicht auf ein höheres Niveau schicken.

Kondensate als Ölfördertrick

Dabei hat die OPEC ein weiteres Problem. Kondensate, eine leichte Form von Rohöl, die bei der Gasproduktion anfällt, zählt nicht zur Statistik der OEPC. Nigeria versucht daher einen Teil seiner Produktion umzuklassifizieren, damit so die eigentliche Ölförderung weniger stark gesenkt werden muss. Auf dem letzten OPEC-Treffen sicherte sich Russland dadurch zusätzliche Fördermengen von 40.000 B/T, da es ebenfalls durch die Gasförderung einen erheblichen Teil von Kondensaten produziert. Eine selbige Ausnahmegenehmigung können nun auch Staaten wie Kasachstan und der Oman beantragen, die dadurch ihre Ölförderung weniger stark anpassen müssten als bisher geplant. Zudem hat der Irak in 7 von 11 Monaten seine Förderquoten nicht eingehalten. Die inneren Unruhen erschweren zeitgleich die Förderreduzierung, da die Mindereinnahmen durch den Staat wieder eingespart werden müssten. Dabei geht es aktuell um soziale Missstände, da die Einnahmen aus dem Ölgeschäft nicht der breiten Masse zugutekommen, sondern veruntreut oder falsch investiert wird. Der Irak dürfte dadurch ein Sorgenkind bleiben und die OPEC sodann längst nicht die Durchschlagskraft besitzen, die durch das Abkommen suggeriert wird.

Überraschungen gibt es heute Morgen an den Börsen keine. Brent notiert aktuell bei 65,04 US-Dollar pro Barrel und die Sorte WTI kostet 59,85 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis lag am Freitag bei 68,67 Euro pro 100 Liter.

 

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation