OPEC steckt in einer Sackgasse

Die Seitswärtsbewegung an den Ölbörsen hat sich fortgesetzt. Der Irankonflikt konnte damit kaum neues Aufwärtspotential am Markt entfalten.

26.07.2019 | Robby Erkmann

Die Risikoprämie sollte daher in etwa gleich sein oder wird durch andere Faktoren, trotz eines Anstiegs ausgeglichen. Generell ist die Situation angespannter und zerfahrener, als vor einer Woche. Derweil hat der Iran einen Tankertausch mit Großbritannien vorgeschlagen. Damit käme es unter Umständen zu einer kleinen Annäherung. Analyst Rats von der US-Großbank Morgan Stanley sieht die Konflikte um die Straße von Hormus eher entspannt. Grund ist es, dass es in der Historie immer wieder zu Störungen und Auseinandersetzungen kam, aber es nie zu einer wirklichen Eskalation oder Blockade.

Generell kann man sagen, dass der andere wichtige Gegenpol zur Irankrise, die Rohölförderung der Nicht-OPEC-Länder ist. Diese wächst sehr schnell und verhindert so eine stärkere Preisentwicklung infolge der Irankrise. Rats erklärte, dass diese Staaten im laufenden Jahr ihre Rohölbestände um bis zu 2 Mio. B/T aufstocken werden. Dieser Trend setzt sich mit einem Wert von 2,4 Mio. B/T im kommenden Jahr fort. Das offenbart, dass der Markt weder ausgeglichen noch unterversorgt ist. Allerdings ist dies weiterhin das ausgegebene Ziel der OPEC. Mit den zuletzt stark enttäuschten Konjunkturzahlen und der Nachfrageschwäche nach Rohöl ergibt dies ein grundsätzlich bearishes Bild, dass aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr den Markt beherrscht.

Überversorgung am Markt

Das Nachfragewachstum wird im nächsten Jahr auf etwa 1,4 Mio. B/T geschätzt. Seitdem die OPEC und die Nicht-OPEC-Staaten zusammenarbeiten, haben die Parteien fünf Prozent Marktanteile verloren. Sofern der Markt nicht mit Rohöl geflutet werden soll, muss die OPEC ihren Kurs beibehalten, was auch bedeuten kann, weitere Marktanteile zu verlieren, bei gleichbleibendem Ölpreis. Strukturell bedeutet dies, dass die OPEC-Staaten ihre Einnahmen aus dem Rohölgeschäft kaum oder nur sehr schwer erhöhen können. Allerdings sind die Staatshaushalte dieser Staaten auch in Zukunft abhängig von den Rohöleinnahmen. Ein Ausweg aus dieser ungünstigen Situation ist nicht in Sichtweite. Laut EIA wird es über das ganze Jahr hinweg eine Überversorgung von 20.000 B/T geben. Die erste Jahreshälfte war von Überversorgungen geprägt, die zweite wird dann eine Unterversorgung aufweisen. Aber schon in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres soll das Überangebot wieder bei 270.000 B/T liegen.

Die Rohölpreise verzeichnen seit Tageseröffnung ein Plus von ungefähr 0,8 Prozent. WTI kostet aktuell 56,35 US-Dollar pro Barrel und Brent notiert zurzeit bei 63,63 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist niedriger als gestern. 100 Liter Heizöl koste im Bundesdurchschnitt heute 68,22 Euro.

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