Proteste im Irak dauern an

Die Unruhen im Irak können während des OPEC-Treffens zu deutlichen Diskussionsbedarf führen. Die OPEC ist in einer Art Zwickmühle gekommen.

04.12.2019 | Robby Erkmann

Seit Anfang Oktober demonstriert das Volk im Irak gegen die politische Führung und der sozialen Ungleichheit, die bedingt ist durch Korruption und Misswirtschaft. Dabei ist der Irak eines der reichsten Länder der Welt, doch ein Großteil der Einnahmen erreicht wenig auserwählte Kreise im Land. Sehr viele Menschen im Landen leiden soziale Not und haben nicht Mal Zugang zu Grundversorgungen wie einer sicheren Stromversorgung. Der UN zufolge lebt jeder Vierte Bürger im Land von weniger als zwei Euro am Tag. Seit den Protesten sind nunmehr über 400 Menschen durch das brutale Vorgehen von irakischen Sicherheitskräften getötet worden. Am letzten Wochenende ist Ministerpräsident Mahdi zurückgetreten, der sein Amt erst seit Oktober 2018 innehatte. Doch dies konnte die Demonstranten nicht beruhigen, da wohl kein grundsätzlicher politischer Wandel einläuten wird. Die Zerwürfnisse sind tief verankert und haben auch religiöse und kulturelle Hintergründe.

Gleichzeitig ist die OPEC nun gefordert das Förderabkommen zu verlängern oder nach Möglichkeit die Kürzungen auszuweiten, damit der Ölpreis nicht Richtung 50 US-Dollar fällt. Doch der Irak, Russland und Nigeria halten die Kürzungen unter dem aktuellen Niveau nicht ein. Saudi-Arabien hatte verlauten lassen, die erhöhten Fördermengen in Zukunft nicht durch eigene Kompensationen auszugleichen. Zudem werden die Regierungen den Unruhen nicht tatenlos zusehen können. Als Folge wären höhere Sozialausgaben notwendig, die durch Einnahmen aus Rohöl finanziert werden müssen. Allumfassend wird das Treffen der OPEC am 5. und 6. Dezember spannend werden, mit zuweilen stützenden Ereignissen, die andererseits wohl eher kurzweilig die Ölpreise stützen können.

Ölpreise ohne Aufwärtspotential

Die Ölpreise haben seit einigen Tagen starke Verluste hinnehmen müssen. Dem vorangegangen waren Preissteigerungen, die allerdings wieder abgegeben wurden. Damit beweist der Markt abermals eine bearishe Konstellation, in der Gewinne nicht verteidigt werden können. Zuweilen wird der Markt mit neuen Meldungen über Strafzölle der USA versorgt. Diesmal soll es Frankreich und die Luxusmarkenhersteller treffen, die nach Trump mit bis zu 100 Prozent Strafzoll belegt werden können. Präsident Macron begegnete dem mit Drohungen, dass die EU entsprechende Gegenmaßnahmen treffen würde. Die protektionistische Politik der USA nimmt damit kein Ende und lassen die Weltwirtschaft und Konjunktur schwächer werden. Was schlecht für den Welthandel und Wohlstand ist, hat gute Auswirkungen auf den Ölpreis, der dadurch tendenziell preismindernd beeinflusst wird.

Brent kostet aktuell 61,28 US-Dollar pro Barrel und WTI notiert heute Morgen bei 56,51 US-Dollar pro Barrel. Beide Werte liegen im Augenblick leicht höher. Der durchschnittliche Heizölpreis hat gestern bei 67,67 Euro pro 100 Liter gelegen.

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