Rohölpreise verharren auf Dreimonatshochs

Verschärfte OPEC-Kürzungen, Annäherungen im Handelsstreit – zum Jahresende mehren sich die bullishen Impulse, doch die Unsicherheit bleibt.

17.12.2019 | Franziska Berg

 

Anfang Dezember hatte sich die Gruppe der OPEC+ darauf geeinigt, ihren Output im nächsten Jahr weiter zurückzufahren. Um zusätzliche 500.000 Barrel pro Tag werden die Produzenten ihre Produktion bis Ende März 2020 kürzen. Hinzu kommt die Bereitschaft Saudi-Arabiens, weitere 400.000 Barrel pro Tag vom Markt zu nehmen, sollten sich alle Beteiligten an ihre Kürzungsquoten halten. Insgesamt ergäbe sich hieraus ein Kürzungsumfang von 2,1 Millionen Barrel pro Tag in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres. So bullish die Verschärfung auch zu interpretieren ist, Marktteilnehmer zeigen sich skeptisch. Ausnahmen für Kondensate und die mäßige Kürzungsdisziplin einzelner Produzenten lassen Zweifel an der Wirksamkeit der verschärften Kürzungen aufkommen. Schließlich liegt die für 2020 prognostizierte Überversorgung bei 0,7 bis 1,0 Millionen Barrel pro Tag.

Teilabkommen erst im Januar unterschriftsreif

Zum Wochenende hatte die Annäherung zwischen den USA und China für Aufwind an den Terminbörsen gesorgt. Beide Seiten hatten bestätigt, sich auf Details und Text eines Teilabkommens geeinigt zu haben. Demnach wird China künftig mehr Agrar- und Energieprodukte aus den USA beziehen, während die USA der Senkung einzelner Strafzölle auf 7,5 Prozent zustimmten. Auch hier bleiben Marktteilnehmer allerdings skeptisch. Man wartet auf inhaltliche Details der Einigung und insbesondere auf die Unterzeichnung. Unterschriftsreif soll das Abkommen erst im Januar sein. Der Verzicht auf zusätzliche Strafzölle wirkt vor diesem Hintergrund nur vorübergehend preisstützend.

Zum Jahresende mehren sich damit die grundsätzlich bullishen Impulse. Doch sowohl nach dem OPEC-Treffen als auch nach der US-chinesischen Teileinigung blieben Preisrallyes aus. Stattdessen waren kurzzeitige, geringfügige Aufwärtsbewegungen zu beobachten. Trotz anhaltender Skepsis erreichten die Rohölpreise gestern neue Dreimonatshochs. Heute Vormittag mangelt es an neuen Impulsen. Dennoch halten sich die Rohöl-Futures im Bereich ihrer gestern aufgestellten Dreimonatsrekorde. WTI wird bei 60,23 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 65,42 US-Dollar. Die Heizölpreise sind gestern auf Dezemberhochs in die neue Woche gestartet. Heute liegen sie mit 69,41 Euro pro 100 Liter auf Sechswochenhochs. An den Terminbörsen waren die vergangenen Tage geprägt von verhaltenen Aufwärtsbewegungen. Marktteilnehmer warten nun auf die dieswöchigen Bestandsreports aus den USA. Erwartet wird ein Rückgang der Rohölvorräte bei gleichzeitigem Anstieg der Bestände an Destillaten und Benzin. Da die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel näher rücken, ist in den nächsten Tagen mit einer Abnahme der Handelsaktivität zu rechnen. Neue Preistrends werden daher in diesem Jahr voraussichtlich ausbleiben.

 

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