Rohölpreise verlassen am Vormittag Zweimonatshochs

Das Treffen der OPEC+ rückt näher. In der nächsten Woche stimmen Kartellmitglieder und Kooperationspartner ihre Produktionsstrategie für das Jahr 2020 ab.

25.11.2019 | Franziska Berg

 

Noch vor wenigen Wochen hatte man am Markt fest mit einer Verschärfung der Kürzungen gerechnet. Angesichts schwacher Nachfrageprognosen und anhaltender Handelsstreitigkeiten erwartete man eine Reaktion der OPEC. Eine solche Reaktion wird aber vermutlich ausbleiben. Das haben OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo sowie die zuständigen Minister aus Saudi-Arabien und dem Oman bereits angedeutet. Auch Russland würde einer Verschärfung der Quoten wohl nicht zustimmen. Inzwischen scheint eine Verlängerung der Kürzungen bis Sommer 2020 am wahrscheinlichsten. Voraussichtlich wird man zudem verstärkt auf die strikte Einhaltung der geltenden Kürzungsquoten achten. Allein hieraus könnte sich erhebliches Kürzungspotenzial ergeben, wie die Analysten von PVM klarstellen.

Nigeria und Irak mit Kürzungspotenzial

Als einer der größten Unterstützer der Produktionskürzungen gehört Saudi-Arabien zu den Vorreitern in der Umsetzung. Das OPEC-Gründungsmitglied hat seine Kürzungsquote seit Jahresbeginn nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Während Saudi-Arabien seinen Output stärker drosselt als festgelegt, hinken andere Kartellmitglieder hinterher. Die Analysten von PVM sehen insbesondere in Nigeria und im Irak weiteres Kürzungspotenzial. Laut dem letzten OPEC-Monatsbericht haben beide Länder ihre Produktionsgrenze zuletzt überschritten. Der Irak produzierte im Oktober täglich 178.000 Barrel mehr als vereinbart. Nigeria übertraf seine festgelegte Produktionsgrenze um 125.000 Barrel pro Tag. Hieraus ergibt sich ein Kürzungspotenzial von 303.000 Barrel pro Tag. Nach Einschätzung der International Energy Agency (IEA) wird dies allerdings nicht ausreichen, um zusätzliche Mengen aus Nicht-OPEC-Staaten auszugleichen. Der IEA zufolge wird die Nicht-OPEC-Produktion 2020 jeden Tag um 2,3 Millionen Barrel steigen. Im Vergleich zum Oktober werde der OPEC-Output hingegen nur um eine Million Barrel pro Tag zurückgehen. Behält die OPEC ihre laufenden Produktionskürzungen also unverändert bei, lässt sich der Produktionsanstieg externer Produzenten im nächsten Jahr nicht ausgleichen.

Thanksgiving im Blick bei Handelsgesprächen

Nachdem die US-chinesischen Handelsgespräche Anfang Oktober angelaufen sind, gerieten sie schnell wieder ins Stocken. Innerhalb weniger Wochen sollte ein Teilabkommen auf die Beine gestellt werden, das allerdings bis heute nicht existiert. In der Vorwoche kamen dann Gerüchte über kurzfristige Verhandlungen auf. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge wurde die US-Handelsdelegation für persönliche Gespräche nach Peking eingeladen. Sie sollen noch in dieser Woche vor dem US-Feiertag Thanksgiving am Donnerstag stattfinden. Auch US-Präsident Donald Trump weckte zuletzt Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Handelskonflikts. Er erklärte, man sei einem Abkommen „sehr nah“. Allerding betonte er auch, China wolle eine Einigung dringender als die USA. Da am Vormittag richtungsweisende Impulse ausbleiben, orientieren sich die Rohöl-Futures von ihren Zweimonatshochs abwärts. WTI wird bei 57,65 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 63,30 US-Dollar. Für die Heizölpreise geht es im November bislang auf und ab. Seit mehr als drei Wochen liegt ihr Bewegungsspielraum zwischen 66 und 68 Euro. Über das Wochenende hinweg haben die Preise hierzulande zugelegt, um durchschnittlich 70 Cent. Aktuell befinden sie sich damit auf Novemberhochs. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl 68,28 Euro.

 

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation