Rohölpreise wehren sich

Die Krise in Venezuela hat bisher zu keiner Preisrallye am Markt geführt. Dennoch ist die Rohölversorgung deutlich knapper, als letztes Jahr.

28.01.2019 | Robby Erkmann

RBC Capital Markets hat veröffentlicht, dass die weltweiten Rohölbestände um 27 Mio. Barrel gesunken sind. Pro Tag ergibt das eine Unterversorgung von 0,64 Mio. Barrel. Für Analyst Michael Tran ist das ein enorm starker Rückgang und zugleich zu einer ungewöhnlichen Zeit. So steigen die Ölbestände erfahrungsgemäß im ersten Quartal, anstatt zu sinken. Problematisch für die Rohölversorgung sind weiterhin, einige ungeplante Ausfälle. So produziert Libyen immer noch gut 25 Prozent weniger Rohöl, aufgrund von Unruhen mit Rebellen. Das sind etwa 350.000 B/T die dem Markt fehlen. Kanada das Land mit einem der größten Reservevorkommen an Rohöl fördert ebenfalls etwa 300.000 B/T weniger Rohöl. Daher bleibt die Lage um Venezuela ausschlaggebend. Zwar hat der Markt damit gerechnet, dass die Rohölförderung weiter sinkt, doch diese Einschätzung könnte mit der Revolution nun übertroffen werden. Der frühere venezolanische Planungsminister Hausmann sprach zuletzt von einem Einbruch der Rohölförderung um 40 Prozent im letzten Jahr.

So wundert es aktuell etwas, dass die Rohölpreise wenig Bewegung nach oben haben. Heute Morgen liegt Brent und WTI sogar deutlich im Minus, obwohl dir Marktlage eher bullish ist. WTI kostet zurzeit 52,60 US-Dollar pro Barrel. Brent notiert bei einem Preis von 60,47 US-Dollar pro Barrel. Beide Notierungen liegen ungefähr 1,7 Prozent unter den Eröffnungskurs. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist weiterhin sehr schwankungsarm und bleibt in der Spanne der letzten Wochen. 100 Liter Heizöl kosten im Bundesdurchschnitt heute 67,46 Euro.

Unsicherheiten wohin man schaut

Dieses Jahr beginnt preistechnisch recht freundlich für die Verbraucher. Politisch bleibt die Lage aber angespannt. Die USA wollen den Iran stärker sanktionieren und damit die Rohölversorgung weiter verknappen. Gleichzeitig entspräche die dann höheren Rohölpreie nicht den Vorstellungen von US-Präsident Trump. Auf der anderen Seite machen die Konjunkturerwartungen sorge, die die Rohölnachfrage eintrübt und wiederrum eher fallende Preise verursachen. Das möchte Saudi-Arabien verhindern, denn man benötigt sprudelnde Einnahmen aus dem Rohölgeschäft für den Umbau der Wirtschaft, weg von der Ölabhängigkeit. Nun kommt noch die Situation in Venezuela hinzu, die politische Sprengkraft hat. Ebenfalls ungelöst ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Bleiben die Strafzölle bestehen, oder werden diese ausgeweitet, reduzieren diese Maßnahmen das Wirtschaftswachstum und auch die Rohölnachfrage. Die Unsicherheiten werden die Verbraucher mindestens die erste Jahreshälfte begleiten. Stärkere Kursausschläge der Rohölpreise nach oben und unten können daher nicht sicher ausgeschlossen werden.

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