Russland bietet China mehr Öl an

China ist nicht länger von den US-Iransanktionen ausgenommen. Beim Kauf iranischen Öls drohen Strafen, weshalb Russland jetzt Hilfe anbietet.

03.05.2019 | Franziska Berg

 

Am Rande des Gipfeltreffens zum Großprojekt der Seidenstraße erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin, man könne bei Ausfällen einspringen. Sollten in China wegen fehlender iranischer Exporte Engpässe entstehen, sei man bereit, diese auszugleichen. Zugleich wies Putin allerdings darauf hin, dass Russland bis Juni an das Kürzungsabkommen der OPEC gebunden sei. Aus dieser Äußerung des russischen Präsidenten lässt sich schließen, dass Russland offenbar nicht mit einer Verlängerung der OPEC-Vereinbarung plant. Hierfür spricht auch, dass der russische Output im April oberhalb der vereinbarten maximalen Produktionsmenge lag. Während Russland mit der Anhebung seines Outputs liebäugelt, setzt die OPEC auf eine Verlängerung des Kürzungsabkommens. Saudi-Arabien zufolge könnten die Kürzungsquoten bis zum Jahresende aufrechterhalten werden. Auch der Oman hat die Verlängerung der Laufzeit als oberstes Ziel ausgerufen.

 

Iranische Exportausfälle keine Gefahr

Noch in der Vorwoche hat die angekündigte Verschärfung der US-Iransanktionen die Rohölpreise maßgeblich gestützt. Marktteilnehmer befürchteten Versorgungslücken durch einen zusätzlichen Einbruch iranischer Ölexporte. Inzwischen sind sich Experten sicher, dass die Exporte des Iran um maximal 600.000 Barrel zurückgehen werden und leicht kompensiert werden können. So könnte beispielsweise allein Saudi-Arabien seinen Output um 500.000 Barrel pro Tag steigern ohne gegen das laufende OPEC-Abkommen zu verstoßen. Für darüber hinaus fehlende Mengen könnten weitere Ölproduzenten einspringen, wie Putins Angebot verdeutlicht. Der bullishe Einfluss verschärfter US-Sanktionen ist damit verflogen. Während bevorstehende iranische Exportausfälle ihr Gefahrenpotenzial eingebüßt haben, beobachten Marktteilnehmer bedrohte Outputs anderer Staaten. So könnten die Machtkonflikte in Venezuela und Libyen zu einschneidenden Produktionsausfällen von ungewisser Dauer führen. Das würde den internationalen Markt tatsächlich vor eine Herausforderung stellen. Die innenpolitische Lage in den beiden OPEC-Mitgliedsstaaten gilt daher als größter Risikofaktor.

Gestern zeigte sich die bearishe Wirkungskraft des derzeit überraschend stabilen Marktes. Angesichts voller US-Öllager gaben die Rohölpreise um zwei US-Dollar nach. Aktuell befinden sich die Referenzsorten daher auf den niedrigsten Preisniveaus seit Anfang April. WTI wird bei 61,61 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 70,33 US-Dollar. Damit bewegen sie sich am Morgen mehr als 30 Cent unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse und gehen voraussichtlich mit Wochenverlusten von mehreren US-Dollar ins Wochenende. Für die Heizölpreise begann mit dem Mai ein Aufwärtstrend. Seit Mittwoch legten sie um 1,30 Euro zu. Heute stellen die Preise hierzulande sogar einen neuen Jahresrekord auf. Mit 72,51 Euro kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt so viel wie seit Anfang Dezember 2018 nicht mehr.

 

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