Sorgen um Schieferölförderung

Die Rohölpreise sind gestern deutlich gestiegen. Grund ist die Sorge eines langsameren Angebotswachstum mit Rohöl aus den US-Schieferölgebieten.

24.10.2019 | Robby Erkmann

Zu Jahresanfang gab es noch einen Engpassfaktor aufgrund des zu langsam ausgebauten Pipelinesystems. Dadurch konnte nicht das gesamte förderbare Rohöl aus dem Landesinneren nicht an die Küste transportiert werden, damit es dort in den Raffinerien weiterverarbeitet werden kann. Dieses Problem wurde im Laufe des Jahres behoben. Nun haben die Frackingunternehmen ein hausgemachtes Problem. Der starke Förderanstieg war auch ein Grund für die sehr schwachen Rohölpreise im aktuellen Jahr. Das drückt nun auf die Gewinnmargen. Zwar wurden die Kosten in den letzten Jahren deutlich gesenkt, dennoch gilt das Fracking als vergleichsweise kostenintensiv. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist daher auf einem sehr hohen Niveau. Analysten für Hochzinsanleihen Rachel Golder von Goldman Sachs Asset Management erklärte, dass der Markt kurz vor einem Abschwung im Energiesektor steht.

Frackingfirmen refinanzieren sich zu großen Teilen über Hochzins-Anleihen. Die aktuellen Ausfallraten können nicht über die Risikoabgeltung des im Zins enthaltenen Zinsaufschlages abgefangen werden. In Zahlen ausgedrückt hat der Schieferölboom die US-Rohölförderung zwischen 2012 und heute mehr als verdoppelt. Seinerzeit wurde etwa 5,5 Mio. B/T gefördert. Heute fördern die USA ein Volumen von 12,3 Mio. B/T.

US-Bestände plötzlich uninteressant

Gestern noch spekulierte der Markt, ob die US-Bestande die 6. Woche in Folge ansteigen. Heute ist der Blick auf die Schieferölindustrie gerichtet. Zudem haben die wöchentlichen DOE-Bestände einen Abbau von 1,7 Mio. Barrel verzeichnet. Entgegen der Erwartung und der API-Bestände, die Aufbauten angezeigt hatten. Derweil gibt es auch neue Spekulation über das Vorgehen der OPEC. Rund 6 Wochen vor der nächsten Vollversammlung wird der Markt wohl häufiger mit Kommentaren übersäht. Dies kann zu einer höheren Volatilität führen. Russland hat ins Gespräch gebracht, dass die reine Ableitung der Förderkürzungen durch die Betrachtung der Bestandsentwicklung und aktuellen Marktlage veraltet ist. Vielmehr sollten auch die Prognosen zum Ölbedarf mit in die Entscheidungsfindung einfließen. Hierzu denkbar wäre auch die Berücksichtigung der Wirtschaftslage, die momentan die Ölpreise auf moderatem Niveau hält. Verbraucher müssen aber weiterhin nicht in Panik geraten. An der grundsätzlichen Marktkonstellation hat sich nichts geändert.

Heute starten die Rohölpreise tiefer in den Tag. WTI kostet heute Morgen 55,51 US-Dollar pro Barrel und die Sorte Bren notiert aktuell bei 60,86 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis lag gestern bei 68,57 Euro pro 100 Liter und ist im Vergleich zum Vortag leicht angestiegen.

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