US-Förderwachstum schwächelt

Die Hoffnungen des Marktes liegen auf eine Förderrallye in der zweiten Jahreshälfte. Im Moment sinkt die US-Ölförderung und verknappt den Markt.

16.04.2019 | Robby Erkmann

Als wären die fehlenden Mengen aus dem Iran, Venezuela und dem OPEC-Kartell nicht genug, macht man sich nun auch Sorgen um die Rohölförderung in den USA. Wobei es neben den USA neuerdings auch Libyen ist, wo mit großen Fördereinbußen gerechnet werden muss, wenn die innenpolitische Lage sich nicht beruhigt und die Kämpfe fortgesetzte werden. Rückwirkend für den Monat März wurde die Ölförderung der USA um 127.000 B/T nach unten korrigiert. Der Produktionsbericht der EIA hatte für diesen Monat im letzten Bericht noch von einer Steigerung über 85.000 B/T gesprochen. Der nun veröffentlichte Bericht zeigt auch, dass die Förderung im April deutlich niedriger eingeschätzt wird als zuletzt. Die Korrektur beträgt 212.000 B/T nach unten. Damit werden die Schieferölregionen nur etwa 8,38 Mio. B/T fördern. Ebenfalls bullish ist die Meldung, dass die Anzahl der angebohrten, aber nicht vollends erschlossenen Ölquellen leicht rückläufig ist. Insgesamt gibt es nun 8.500 dieser Quellen, das sind inklusive Korrektur der Schätzungen 76 weniger. Allerdings muss man bemerken, dass die Reserve extrem hoch ist und den Ausbau der Schieferölindustrie mittelfristig nicht belasten wird.

Positiv ist nur, dass die Ölpreise obgleich dieser Meldung nicht weiter gestiegen sind und auch heute vorerst keine Aufwärtstendenzen haben. Brent und WTI liegen aktuell etwa 0,5 Prozent unter dem Eröffnungskurs. WTI kostet daher 63,24 US-Dollar pro Barrel und die Sorte Brent liegt im Augenblick bei 70,88 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 70,61 Euro pro 100 Liter und ist im Vergleich zu gestern gefallen.

Lage schwer abschätzbar

Heute reagiert der Markt auf diese Neuigkeiten nicht, doch strukturell können die Probleme vergrößert werden. Denn US-Finanzminister Mnuchin äußerte sich positiv über eine bald bevorstehende Einigung im Handelsstreit mit China. Diese Einigung könnte das Wirtschaftswachstum beflügeln und damit auch die Nachfrage nach Rohöl erhöhen. Dies würde den Markt stärker verknappen, weshalb die Preise dann weiter anziehen würden. Insgesamt gibt es viele Faktoren, die im Moment nicht genau abgeschätzt werden können. Deshalb besteht durchaus noch Aufwärtspotential, selbst wenn die Rallye aktuell eine Pause eingelegt hat und die Händler zu Gewinnmitnahmen tendieren. Spannend wird, wie das Wirtschaftswachstum in China für das erste Quartal eingeschätzt wird. Diese Zahlen werden in wenigen Tagen veröffentlicht.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation