Weltwirtschaft vor Zerreißprobe

Der Brexit naht und könnte die europäische Wirtschaft nach unten ziehen, dabei gibt es schon genug Probleme durch Strafzölle und Sanktionen der USA.

17.10.2019 | Robby Erkmann

Der Markt wird aktuell mit den Worten beruhigt, dass eine Einigung in letzter Sekunde möglich sei. Premier Johnson hat für eine schnelle Einigung noch keine Mehrheit hinter sich. Die Sondersitzung am kommenden Samstag verspricht daher kein Durchbruch und der Markt hat weiterhin berechtigte Zweifel an einer Einigung auf den letzten Metern. Unumwunden würde ein ungeregelter Austritt die britische und europäische schwer belasten. Sollte ein Abkommen noch vollzogen werden, wäre dies erstmal preisstützend für die Ölpreise, aber ebenso mit Folgen behaftet für das Wirtschaftswachstum. Schwerpunktmäßig blicken die Marktexperten noch auf die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. Das Teilabkommen hat für Hoffnung gesorgt, dass die gegenseitigen Strafzölle vorerst nicht mehr angehoben werden und es tatsächlich zu einer Einigung kommen kann. Die Erwartung ist jedoch sehr zurückhaltend, da Präsident Trump sehr impulsiv agiert und kaum berechenbar ist. Daher bleibt der Marktausblick für 2020 bearish. Experten warten auf den Monatsbericht der IEA. Schon der letzte Bericht offenbarte eine sehr bearish Haltung, die sich in einer durchschnittlichen Überversorgung von 1,4 Mio. B/T in der ersten Jahreshälfte offenbarte.

US-Bestandszahlen bearish

Das API hat die Entwicklung der US-Lagerbestände für letzte Woche offengelegt. Nun wartet der Markt auf die Bestätigung der Zahlen durch das DOE. Denn die Zahlen übertreffen die Markterwartung deutlich. Die Rohölbestände sind laut API um 10,5 Mio. Barrel gestiegen, dabei war ein Anstieg von nur 2,3 Mio. Barrel erwartet worden. Das fallen der Destillat- und Benzinbestände war von den Analysten so erwartet worden und überrascht nicht. Das strukturelle Wachstum der US-Schieferölförderung wird in den kommenden Monaten wahrscheinlich für eine weitere bearishe Entwicklung der US-Lagerbestände sorgen.

Allerdings wird die weltweite Verfügbarkeit von Rohöl auch Brasilien, Mexico und Kanada positiv beeinflusst. Die OPEC wird daher große Schwierigkeiten haben den Ölpreis zu stützen. Daher kommen den Aussagen der OPEC-Generalsekretärs Barkindo wenig Bedeutung zu. Dieser versuchte die Märkte erneut zu beruhigen, dass die OPEC den Markt mit allen Mitteln stabilisieren wird. Doch angesichts der eigenen Probleme, mit Mitgliedern wie dem Irak, bleibt die Schlagkraft der OPEC enorm vermindert. Zudem verlieren die Staaten immer weitere Marktanteile, bei gleichzeitig sinkenden oder gleichbleibenden Ölpreisen. Auf Dauer kann sich dies kein Mitglied leisten, da die Staatshaushalte vom Öl abhängig sind.

Die Ölpreise liegen auch heute Morgen im Minus. Brent kostet aktuell 58,89 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte WTI notiert im Moment bei 52,82 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland hat sich dagegen kaum verändert und liegt heute bei 68,94 Euro pro 100 Liter.

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