Widerstände wurden durchbrochen

Die Rohölpreise sind gestern unter ihren kurzfristigen Widerstandlinien gefallen. Das machte Luft für weitere Preisnachlässe bis in die Abendstunden.

12.04.2019 | Robby Erkmann

Preismindernd war gestern eine Prognose von Fitch Solutions. Ansonsten blieb die Marktkonstellation unverändert, sodass weitere Preisnachlässe nicht zwangsläufig der Fall sein müssen. Fitch Solutions erwartet das US-Nachfragewachstum nach Rohöl für die Jahre 2019 und 2020 deutlich niedriger. Das würde den Markt weniger knapp werden lassen. Allen voran dieses Jahr erwarten die Experten ein Wachstum von nur 0,6 Prozent. Im Jahr 2020 wird sich das Wachstum lauft Prognose nochmal halbieren und dann bei lediglich 0,3 Prozent liegen.

Entgegen dieser Meldung war die Anhebung der Ölpreisprognose der US-Bank Goldman Sachs eindeutig preissteigernd zu werten. Die Analysten rechnen für die Sorte Brent mit einem Durchschnittpreis von 66 US-Dollar im aktuellen Jahr. Zuvor lag die Prognose der Bank bei 62,50 US-Dollar pro Barrel. Das zweite Quartal soll im Durchschnitt bei 72,50 US-Dollar liegen. Demnach hat das aktuelle Preisniveau bei Brent noch Luft nach oben. Kritisch sehen die Analysten den bisherigen schwachen Anstieg der Schieferölindustrie. Im Allgemeinen baut der Markt ganz immens auf eine wahre Förderexplosion in der zweiten Jahreshälfte. Sollte der Ausbau der US-Schieferölförderung ins Stocken geraten, kann der Rohölpreis auch in der zweiten Jahreshälfte deutlich über den bisherigen Preiserwartungen liegen.

Unklare US-Bestandszahlen

Einerseits ist der gemeldete Bestandsaufbau bei den Rohölvorräten über 7,0 Mio. Barrel eindeutig bearish. Andererseits sind die Benzinvorräte um 7,7 Mio. Barrel gesunken, was eindeutig bullish zu werten ist. Die beginnende Sommernachfrage hat die Raffinerieanlagen deutlich ihre Auslastungsquote erhöhen lassen. Das sollte eigentlich Abbauten bei den Rohölbeständen fördern. Die Außenhandelsbeiträge verzeichnen über die Woche eine Veränderung von Plus von 1,4 Mio. Barrel. Daher können die Veränderungen nicht auf die Im- und Exporte zurückgeführt werden. Größere Sorge macht weiterhin die US-Rohölförderung. Zwar liegt die Rohölförderung auf ihrem Rekordniveau von 12,2 Mio. B/T, doch zuweilen sind die wöchentlichen Zahlen auch ungenau, weshalb die Förderquote auch deutlich niedriger sein kann.

Die Aufwärtspotential scheinen kurzfristig erstmal etwas ausgeschöpft. Gestern schlossen die Rohölpreise deutlich im Minus. Heute Morgen wird dieses Minus durch eine leichte Gegenbewegung flankiert und die Preisnachlässe konnten erstmal gestoppt werden. Brent kostet im Moment 71,08 US-Dollar pro Barrel und die Sorte WTI liegt bei 63,85 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist so hoch wie seit 4 Monaten nicht mehr. Heute kosten 100 Liter Heizöl im bundesweiten Durchschnitt 71,23 Euro.

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