Allzeitrekordtief bei Rohölpreis

Die Coronakrise hat das unmögliche möglich gemacht. Der Preis für WTI ist negativ. Die aktuelle Marktsituation für Ölunternehmen katastrophal.

21.04.2020 | Robby Erkmann

Es ist tatsächlich kaum zu beschreiben und eine Zäsur für die aktuelle Marktkonstellation. Dieser historische Moment geht in die Geschichtsbücher ein. Wohlgleich hatten ein paar Analysten davor gewarnt, dass der Rohölpreis bis auf 10 US-Dollar abstürzen kann. Doch im gestrigen Handel hat auch diese Marke keine Unterstützung bieten können. Somit waren letztendlich alle Marktteilnehmer vollends überrascht, gar überwältigt von dem Preisverfall der bei unmöglichen -320 Prozent lag. Der Preis für ein Barrel WTI für den Kontraktmonat Mai lag zeitweise bei -40,32 US-Dollar. Der Frontmonatswechsel hatte im Tagesverlauf den Grundstein für diesen historischen Moment gelegt. Die sogenannte Contango Konstellation suggeriert tendenziell fallende Preise für die Zukunft. Daher kam in infolge des Frontmonatswechsel zu einem Ausverkauf. Der Ölmarkt ist nach wie vor stark überversorgt. Die Sorte WTI kam dabei extrem unter Druck, da 40 Mio. Barrel Rohöl von Saudi-Arabien auf dem Weg in die USA sind. Dabei steigen die Lagerkapazitäten schon mit der aktuellen Fördermenge in den USA stark an. 


Lagerkapazitäten bald ausgeschöpft


Das nächste große Problem bahnt sich bereits an und ist eine Folge der extremen Überversorgung. Die weltweiten Lagerkapazitäten sind zunehmend ausgeschöpft. Der nächste Schritt wäre, dass die Rohölproduzenten die Ölförderung drosseln müssen, da es kein Platz mehr für die Lagerung gibt. Auf den Weltmeeren sollen aktuell 160.000 Mio. Barrel Rohöl lagern, die auf Tankern gebunkert werden und auf Abnehmer warten. In den USA sind die Bestände in den Lagern von Cushing um fast 10 Prozent innerhalb einer Woche gestiegen. Zugleich ist kein Ende der aktuellen Krise in Sicht. Selbst die Förderkürzungen der OPEC von fast 10 Mio. B/T hat keinen positiven Effekt gehabt. Nun stellt sich die Frage ob die OPEC weitere Maßnahmen treffen wird und wenn ja welche.


Klar ist, dass die Staaten im Mittleren und Nahen Osten abhängig von den Einnahmen aus dem Rohölgeschäft sind. Die aktuelle Lage führt zu einem hohen Haushaltsdefizit und wird wohl auch zu Sparmaßnahmen führen. Diese Maßnahmen werden wahrscheinlich auch wieder die ärmeren Bevölkerungsschichten treffen. Dabei gab es in der nahen Vergangenheit mehr und mehr innenpolitische Unruhen aufgrund von Armut und ungleicher Verteilung der Gelder. Mit der aktuellen Preiskrise kann als nächste vor allem eine politische Krise werden, die die Förderstaaten hart trifft und zu Einbußen bei der Rohölförderung führen. 


Die Sorte Brent kostet heute 21,75 US-Dollar pro Barrel und liegt heute etwa 16 Prozent im Minus. Der Preis für WTI notiert derzeit im Minus bei 6,30 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 52,49 Euro pro 100 Liter, eher wenig verändert. 

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