Angriff auf US-Kapitol bislang ohne große Auswirkungen auf den Ölpreis

Relativ unbeeindruckt zeigten sich die Ölpreise nach einem Sturm des US-amerikanischen Kongresses durch Anhänger des Noch-Präsidenten Donald Trump.

07.01.2021 | Christoph Warich

 

Nach einer Rede des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, in welcher er seine Anhänger dazu aufrief gegen die Wahlergebnisse zu Demonstrieren und vor das Kapitol zu ziehen, ist es in der Hauptstadt Washington zu Unruhen und Ausschreitungen mit Verletzten und Toten gekommen. Während das Parlament zusammentraf, um die Wahlergebnisse des Novembers offiziell zu bestätigen, drangen Demonstranten in das Gebäude ein und mussten von Sicherheitskräften zurückgehalten werden. Politiker des Senats und des Kongresses flohen und verbarrikadierten sich, die Situation geriet außer Kontrolle. Die Lage konnte sich erst beruhigen als Trump seine Anhänger dazu aufforderte nach Hause zu gehen und die Stadt Washington eine Ausgangssperre verhängte. Auch die Nationalgarde griff ein.
Die Ölpreise wurden davon kurzzeitig belastet, stabilisierten sich jedoch schnell wieder. Auf Dauer sind solche Zustände jedoch Gift für die Finanzmärkte. Es bleibt abzuwarten ob dies eine einmalige Eskalation war oder ob es zu weiteren Ereignissen dieser Art kommen wird, welche sich dann dauerhaft negativ auf die Energie- und Ölnachfrage auswirken können.

Unerwartet hohe Rohölabbauten bei US-Beständen

Der gestern veröffentlichte DOE-Bericht zeigte einen deutlichen Abbau der US-amerikanischen Rohölbestände an und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Zeitgleich kam es zu einem unerwartet hohen Aufbau der Destillatbestände. Großen Einfluss auf die Märkte hatten die Veröffentlichungen dennoch nicht, eine Prognose ist denn auch schwierig. Die saisonalen Effekte, mit einer verringerten Geschäftsaktivität an den Feiertagen und den bilanzpolitischen Maßnahmen der Raffineriebetreiber zu Jahresende, treffen auf eine ohnehin geringe Nachfrage.
Interessanter für die Preisbildung dürfte die Wahl Bidens und die darauffolgende Politik seiner Administration sein. Es ist davon auszugehen, dass es der neue US-Präsident der Ölindustrie schwerer machen wird als sein Vorgänger und die Preise somit nachhaltig nach oben treibt.

Produktionskürzungen der Saudis halten Preise oben

Im Moment sind es vor allem die Förderungskürzungen der Saudis, welche die Preise auf dem aktuell hohen Kurs halten. Die Angebotsverknappung führt zu der erwarteten Steigerung, auch wenn Analysten dies als Zeichen werten, dass man mit der bisherigen Nachfrageprognose über das Ziel hinausgeschossen ist und dies nun so zu korrigieren versucht. Als Reaktion hat beispielsweise Goldman Sachs die eigenen Vorhersagen zur Nachfrage für die nächsten zwei Monate um jeweils -1,0 Mio. B/T gesenkt und rechnet zum Jahresende mit erheblichen Preissteigerungen. So sehen die Experten des Finanzprofis zum Beispiel die Nordseesorte Brent bei bis zu 65 Dollar pro Barrel.

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