Angst beherrscht den Ölmarkt

Das Coronavirus ist nun erstmalig in Deutschland nachgewiesen worden. In China dürfte deshalb die Nachfrage nach Rohöl stark einbrechen.

28.01.2020 | Robby Erkmann

Experten erwarten unterdessen, dass die Exportausfälle in Libyen gänzlich durch eine geringere Nachfrage aus China ausgeglichen werden kann. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass in China die Nachfrage temporär um über 800.000 B/T fallen kann. Die Maßnahmen der Regierung allen in die Hauptreisezeit der Chinesen, da dort aktuell Neujahrsferien sind. Insgesamt wurden Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen, die bis zu 50 Mio. Menschen betroffen und in ihrer Mobilität einschränken. Teilweise liegt der komplette Verkehr still, privat, wie gewerblich. Damit ist eine Bevölkerungsgröße betroffen, die der von ganz Spanien entspricht. In Libyen bleibt die Situation durch die Kämpfe festgefahren und die Exporte sind um über 800.000 B/T gefallen. Fraglich ist es, ob beide Seiten wirklich an einem dauerhaften Ausfall interessiert sind. Grundsätzlich sind beide Seiten, also die Regierungsseite und die Milizen um General Haftar von den Rohöleinnahmen abhängig. Die NOC in Tripolis wickelt den Zahlungsverkehr aus dem Ölgeschäft ab und verteilt die Einnahmen an die unterschiedlichen inländischen Organisationen.


Heute fallen die Ölpreise vorerst nur leicht. Ein weiteres Abrutschen des Ölpreisniveaus ist jedoch nicht ausgeschlossen, da die weitere Entwicklung nur schwer prognostiziert werden kann. Brent kostet aktuell 58,73 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte WTI wird im Moment für 52,82 US-Dollar pro Barrel gehandelt. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 61,86 Euro pro 100 Liter und damit 2,35 Euro unter dem gestrigen Durchschnittsniveau.


Ölpreise belasten Schieferölindustrie


Das Preisniveau setzt die Ölkonzerne unter Druck egal ob diese aus den USA stammen oder dem Nahen Osten. Das OPEC-Kartell wird mit dem Preisniveau nicht zufrieden sein, da zur Umstrukturierung der Wirtschaft höhere Einnahmen und Margen aus dem Ölgeschäft fließen müssen. Immer wieder wurde ein Barrelpreis von 80 US-Dollar ausgesprochen. Doch laut Goldman Sachs kann es auch die Schieferölindustrie schwer haben. Schon im letzten Jahr wurde streckenweise über Finanzierungs- und Liquiditätsprobleme in der Branche berichtet. Ein zu harter Kursverfall wird den Ausbau der Schieferölindustrie verlangsamen können. Noch schätzt der überwiegende Teil der Analysten die Schieferölindustrie in den USA für 2020 wachsend ein. Analysten von Goldman Sachs erwarten eine Neuordnung der US-Ölindustrie. Gleichzeitig können Kritiker die Frage stellen, ob Trump dem tatenlos zusieht, da die Abhängigkeit von Rohöl aus dem Ausland wieder zunehmen würde. Das Jahr beginnt daher sehr spannend und kann noch einige Überraschungen entfalten. 
 

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