Corona im Fokus der Ölpreise

Die Marktbedingungen für Preisanstiege bei den Rohölpreise sind aktuell nicht gegeben. Die Corona-Pandemie und Nachfragesorgen stehen daher im Fokus.

04.09.2020 | Robby Erkmann

Die wöchentlichen Bestandszahlen der USA belegen, dass es nach wie vor Probleme auf Nachfrageseite gibt. Die Benzinnachfrage ging um 4,1 Prozent auf nunmehr 8,8 Mio. B/T zurück. Dies stellt den größten Nachfragerückgang seit Mitte Mai dar. Auf Jahressichtweise betrachtet liegt die Nachfrage 7,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zugleich liegen die Bestände im Golf von Mexiko weiterhin 22 Prozent über dem Vorjahresniveau. Wenngleich Wetterlage durch die Hurrikans zuletzt für Verschiebungen gesorgt hatte, so war auch im letzten Jahr die Region von Hurrikans betroffen, sodass die Grundkonstellation nicht viel anders ist. Belastend wirkt sich zudem aus, dass die US-Raffinerien in Wartungsarbeiten gehen, sodass tendenziell weniger Rohöl nachgefragt wird. Auf der anderen Seite sieht der Markt den möglichen neuen Sanktionen zur Reduzierung der verbleibenden iranischen Exporte gelassen entgegen. Damit verfolgen die USA die Strategie, die Rohölexporte des Irans vollends zu unterdrücken. Aktuell wird vermutet, dass die Rohölausfuhren über verdeckte Tauschgeschäfte bei etwa 1,0 Mio. B/T liegen. Angesicht der sehr komfortablen Versorgungslage wäre der Markt immer noch überversorgt, sodass die Preise auf diese Entwicklung nicht reagieren.

OPEC weiterhin entzweit

Die Mitgliedsstaaten der Organisation sind sich nach wie vor uneinig über die genaue Vorgehensweise in Zeiten der Corona-Pandemie. Zwar wurde erfolgreich eine Produktionskürzung umgesetzt, die in Folge des Nachfrageeinbruchs aufgrund des Corona-Lockdowns vollzogen wurde. Andererseits hat der Irak seine Versprechungen zur Einhaltung der Förderkürzungen bis heute nicht erfüllt. Auch die Versprechung die zu viel geförderten Mengen im August nachträglich zusätzlich zu kürzen sind fehlgeschlagen. Neuste Informationen belegen lediglich eine Kürzung von 160.000 B/T anstatt 400.000 B/T. Nun mehren sich Spekulationen, dass der Irak ab kommenden Jahr eine Ausnahme erwirken möchte die Produktion wieder steigern zu dürfen. Das Grundproblem ist die Abhängigkeit aus den Rohöleinnahmen, die den Staatshaushalt nahezu vollständig finanzieren. Zudem gibt es innenpolitisch große Diskrepanzen aufgrund mangelnder Vermögensumverteilung und den daraus resultierenden politischen Unruhen. Ebenfalls unzuverlässig bei der Einhaltung der Förderkürzungen ist Russland, die auch im August die Vorgaben nicht erfüllt haben.

Die Rohölpreise betragen heute für ein Barrel Brent 43,89 US-Dollar pro Barrel und für die Sorte WTI 41,17 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis liegt heute bei 43,46 Euro pro 100 Liter.

 

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