Coronavirus beherrscht Marktpreise

Die Ölpreise sind gestern erneut deutlich gefallen und lagen daher auf einem Sechsmonatstief. Die OPEC ruft deshalb eine Sondersitzung ein.

04.02.2020 | Robby Erkmann

Die Auswirkungen auf dem Markt zeichnen sich mittlerweile deutlich ab und machen ein Handeln nahezu unumgänglich. Zumal die Rohölpreise seit Bekanntwerden der Virusinfektion um fast 10 US-Dollar gefallen sind bzw. um 20 Prozent nachgelassen haben. Für die OPEC wird das kaum hinnehmbar sein. Das technische Komitee der OPEC wird sich am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch treffen, damit die tatsächlichen Auswirkungen beraten werden kann. Das stellt die Grundlage dar für die Empfehlung, die dann an die Mitglieder weitergegeben wird. Es gilt als sicher, dass die Empfehlung deutlich für zusätzliche Maßnahmen stehen werden. Die Ölpreise befinden sich durch die Verluste in einem Bärenmarkt, der prinzipiell weiter Verluste begünstigt, anstatt den Markt zu beruhigen und die Rohölpreise zu stabilisieren. 
Das hat auch die chinesische Regierung zu außerordentlichen Maßnahmen greifen lassen. Kurzfristig wurde der Leitzins gesenkt, um so das Wirtschaftswachstums zu stützen. Zudem wird dem Geldmarkt frisches Kapital zur Verfügung gestellt. Insgesamt sollen rund 175 Milliarden US-Dollar in die Märkte fließen. Die chinesische Sinopec-Raffinerie gilt als größter Rohölimporteur und hat bereits angekündigt den Durchsatz im Februar um 600.000 B/T zu kürzen. Neuste Meldungen zeigen auch, dass die freien Raffinerien ihren Durchsatz um bis zu 50 Prozent zurückgefahren haben. Damit werden vielerlei Analysen bestätigt, die bereits mit konkreten Auswirkungen auf dem Markt gerechnet haben. 


Hohes Potenzial für Gegenbewegung


Die letzten Wochen können tatsächlich noch für viel Volatilität sorgen. Sollte die OPEC den Markt mit stärkeren Maßnahmen in der Krisensitzung überraschen, als angenommen kann es zu deutlichen Korrekturen nach oben hin kommen. Gleiches gilt für den Fall, wenn sich die Rohölnachfrage in China wieder normalisiert. Aktuell schätzen Experten von Kepler, dass China nur noch 8 Mio. B/T an Rohöl importiert. In den Wochen zuvor hat China gut 11 Mio. B/T eingeführt. Diese 3 Mio. B/T werden aber kein Dauerzustand sein. Eine realistische Erwartungshaltung liegt bei etwa 1 Mio. B/T für die Monats Februar und März. Sollte die Zahl der Neuinfektionen und die allgemeine Ausbreitung schneller eingedämmt werden, kann dies auch zu einer raschen Nachfragesteigerung führen. Dann kann es in Verbindung mit den höheren OPEC-Kürzungen zu einer deutlichen Aufwärtsbewegung kommen, die das Preisniveau vom Jahresanfang übertreffen kann. Verbraucher sollten daher vor starken Schwankungen und einem schnellen Comeback gewarnt sein. 


Heute feiern die Ölpreise ein kleines Comeback, was im Zuge der gestrigen exorbitanten Abwärtsbewegung wenig verwunderlich ist. Brent kostet 54,84 US-Dollar pro Barrel und WTI liegt bei 50,69 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist seit Beginn der Talfahrt ebenfalls um mehr als 10 Euro gesunken und unterschreitet heute die Marke von 60 Euro pro 100 Liter. Im Bundesdurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl heute 59,92 Euro. 
 

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